Whatever It Takes

Diesen Spruch benutzen Politiker aktuell sehr gern. Dabei ist ihnen die Tragweite offenkundig unklar. Oder sie verschleiern damit aktiv, worauf das absehbar hinaus läuft.

Es war genau genommen nur eine Frage der Zeit, wann ein Virus, der „früher“ ein lokales Ereignis geblieben wäre, die Welt in die Mangel nimmt. Es ist keine Frage, dass dies in Zukunft immer häufiger passieren wird, es lediglich wieder nur eine Frage der Zeit ist, wann es ein richtig fieser ist. »Corona« ist zwar schon übel, doch objektiv betrachtet ist es noch ein netter Virus. Ein Großteil derer, die er anspringt, werden ihn wieder los, ohne dass sie ihn überhaupt bemerkt hätten. Problematisch ist halt, bei wem sie ihn los werden. Vor allem, weil er noch kontaktfreudiger ist als diejenigen, die für seine Verbreitung sorgen.

Weil wir uns überall auf der Welt die besten Schnäppchen raus picken oder Gewinnmaximierung durch günstigste Produktion selbst hemmungslos überteuerter Medikamenten in abenteuerlichen Produktionsstätten betreiben, zeigt sich eine offene Flanke: Das erfordert Kontakt über riesige Distanzen. Während die einen sich den Buckel krumm schuften und sich in der Illusion bewegen, dafür werden die Kinder es mal besser haben, genießen die Gewinner der Verteilungslotterie Fernreisen. Je weiter desto besser, vorzugsweise eingedost in Flugzeugen oder Kreuzfahrt-Schiffen.

Damit ist es zwar aktuell erst einmal vorbei. Was manche Traumschiff-Bucher nur widerwillig zur Kenntnis nehmen. Doch die bekannten Vorsichtsegeln gelten natürlich nur, wenn es dem Mammon keine Grenzen setzt. Es werden zwar weniger öffentliche Verkehrsmittel angeboten, die sind dafür um so voller. Flugzeuge pendeln weiterhin vollgepackt bis auf den letzten Platz. Weil viele Jobs sich mangels Maschinenpark, Material, sowie der Kleinteiligkeit der Fertigung unmöglich im Homeoffice erledigen lassen, laufen Produktionen mit dem (Niedriglöhner-)Personal weiter.

Immerhin wird die Relevanz gerade diejenigen sichtbar, die aus kapitalistischer Sicht im Keller beschäftigt sind. Ohne die allein erziehende Mutti, die sich trotzdem an die Kasse setzt, im Krankenhaus als Schwester Doppelschichten schiebt, als Pflegerin „die Alten“ pflegt, mit denen sie eingeschlossen wurde (!), während sich andere um die Kinder kümmern – sie sind das Schmiermittel unserer Gesellschaft. Ebenso wie die Busfahrer, Polizisten, … – eben die Vielen – für manche womöglich überraschend –, ohne die nichts läuft.

Fraglos ist es ein Dilemma. Weil einige raus müssen, damit sie an Geld kommen, indem sie beispielsweise Waren ins Regal füllen, das dann Sozialschmarotzer horten, sitzen andere auf dem Geld-Esel, der es ihnen vor die Füße scheißt. Der Staat setzt gigantische Mittel für kleine Unternehmer (s. „Schmiermittel“) frei, denen das Arbeiten verboten wurde, damit sie die Miete der überteuerten Betriebsstätte, sowie die Rechnung der Telekom (~32% Staatsbesitz) bezahlen können. Weil das vermeintlich Arbeitsplätze sichert.

Wer das gerade so spendabel raus-gehauene Geld am Ende wieder in den Staatssäckel schaufeln soll, wird dabei geflissentlich ignoriert. Es werden wohl die sein, die schon jetzt gerade die Gekniffenen sind. Die kennen das immerhin schon, war doch die „schwarze Null“ seit Jahren der Grund für ihren täglichen Kampf.

Allein das Überwinden der Krise, deren Dauer im Augenblick noch völlig unabsehbar ist, wird die Grenzen der Politiker-Sprüche offenbaren. Weil Geld „in Münzen gepresste Zeit für Arbeit“ ist, führt das gerade propagierte Geld-Drucken ohne Gegenleistung in die absehbar nächste Krise.

Spannend wird es, wenn diese Krise und die für unser Wirtschaftssystem daraus entstehenden überstanden sind. Woran werden sich die Politiker erinnern? Was werden sie tun, damit wir (etwas weiter gefasst „die Menschheit“) zukünftig besser auf solche Ereignisse vorbereitet sind? Wird die Industrie umdenken, statt auf den letzten Cent rauspressen vielleicht doch wieder mehr vor Ort produzieren, damit beim nächsten Mal kein erneuter völliger Zusammenbruch die Folge ist?

»Whatever it takes« bedeutet gleichermaßen, dass jeder Einzelne überlegen sollte, wie viel Fernweh befriedigt werden muss, wie viel Exotik im Leben nötig ist. Wird es statt zunehmender Ballung in Mega-Wohn- und Arbeitsstädten wieder mehr in die Fläche gehen?

Das Internet bewährt sich in dieser Situation, weil es genau so angelegt ist: viele kleine, vernetzte Systeme können lokale Ausfälle besser verkraften als monolitische. Es ist doch ziemlich frappierend, dass manche Produktionen stehen, weil ein Schräubchen aus China fehlt.

»Whatever it takes« heißt vor allem mehr soziale Verantwortung Füreinander. Mehr Rücksicht, statt schneller, weiter, höher die Frage, was wirklich wichtig ist und welche Folgen das womöglich für jemand anders hat. Selbst wenn ich keine Ahnung habe, dass es die oder den überhaupt gibt.

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