Wenn Kinder Schießlehrer erschießen

Ein tragischer Unfall sei es gewesen. Eine Neunjährige (!) hat den „Schießlehrer“ versehentlich erschossen. Mit einer Uzi. Da frage ich mich spontan: welcher Schießlehrer kommt auf die völlig bescheuerte Idee, einer Neunjährigen eine Uzi in die Hand zu drücken?

Dass die Amerikaner ein sehr eigenwilliges Verhältnis zu Waffen haben, ist keine Neuigkeit. Ich hatte das bereits im Zusammenhang mit Stolpersteinen kommentiert. Wo mir nichts mir einfällt ist, dass es ein „tragischer Unfall“ sei, wenn eine zierliche Neunjährige — die sich jetzt bei Youtube & Co bis in alle Ewigkeit im Video festgehalten wiederfindet — den Rückschlag einer halbautomatischen Waffe nicht halten kann. Das ist kein Unfall, das ist grenzenlos dämlich und gedankenlos.

Wenn jetzt erst ab 12 und mit mindestens 1,52 m Körpergröße weitergeballert werden darf1, mag das für den kernigen Amerikaner eine Beschneidung der Freiheitsrechte sein. Für den etwas lieberaleren ein Schritt in die richtige Richtung. Mir dreht sich dennoch die Frage im Kopf fest, weshalb überhaupt man Kindern halbautomatische Waffen in die Hände geben sollte.

Damit sie beim nächsten Highschool-Massaker noch effektiver sind? Uns ist mit dem Massaker von Columbine speziell durch den Film von Michael Moore ja nur eine klitzekleine Spitze einer Jahrhunderte alten Tradition der USA gezeigt worden. Dass es allein seither über 20 weitere gab, ist gar nicht präsent.

Wobei ich bei der Recherche für diesen kleinen Artikel erschreckt feststellen musste, dass wir in Europa und sonst auf der Welt — trotz typischerweise signifikant erschwerten Bedingungen, was die Beschaffung der dafür erforderlichen Waffen betrifft — ebenfalls eine bedauerliche Liste solcher Vorfälle haben. Wobei der Rest der Welt nicht ansatzweise mit der US-Liste mithalten kann. Zum Glück.

Was mich auf das Eingangsthema zurück bringt: Ich sehe keinen Sinn darin, dass Kinder an Waffen heran geführt werden. Schon gar nicht, wenn es dabei um den Spass des Rumballerns geht. Dazu noch lecker Burger essen. Wie krank ist dass denn.


  1. Das soll lt. einem Radiobericht, der mich motiviert hat, dass hier zu schreiben, die Reaktion des Anbieters auf den Vorfall sein. ↩︎