Wenn Fortschritt ein Rückschritt ist

Vor einigen Wochen habe ich mich auf den „neuen“ Telefonstandard voice over IP eingelassen. Mein Telefonanbieter sicherte mir im Leistungspaket schnelleres Internet, höhere Datenraten, Top-Telefonie, und überhaupt — alles besser — zu.

Nach einigen Wochen Gebrauch muss ich feststellen, dass ich zwar ein paar Euro spare, aber das Gesparte teuer bezahle:

  • Telefongespräche haben teilweise eine derart schlechte Qualität aufgrund von Störgeräuschen und Aussetzern, dass ich mich nochmal einwähle oder — wer hätte das gedacht — auf das Mobiltelefon ausweiche, weil dort die Sprachqualität signifikant besser ist.
  • Das Internet ist deutlich träger als vorher, Up- und Downloads trotz vertraglich zugesicherter bis zu-höherer Bandbreite ziehen sich wie alter Kaugummi.

Ich tendiere persönlich gern dazu, dass ich den Vergleich anstelle. Mir geht´s doch gut, ich brauche immerhin keine Buschtrommeln mehr oder muss meine Mitteilungen mit einer Flasche den Fluss hinunter treiben lassen. In diesem Fall sehe ich das allerdings etwas anders. Denn dass mein Provider jetzt ein schöneres Leben hat, sei ihm gegönnt. Der Deal war aber ein anderer.

Unglücklicherweise sitze ich hier in Braunschweig auf einer technologischen Insel. Denn alternative Anbieter sind bei genauerer Betrachtung keine. Die bieten mir zwar ebenfalls eine schöne neue Welt auf buntem Papier. Technisch betrachtet ist es aber der gleiche Mist nur in anderen Unternehmensfarben.

Es gäbe eine grundlegend andere Technologie. Breitbandkabel. Doch das steht in der Stadt der Wissenschaft unter der Herrschaft der Kabelcom. Die verteilt zwar die schönen Flyer von Kabel Deutschland, verschweigt aber gepflegt, dass es deren Angebote nur im Bundle mit dem Kabelcom-Knebel gibt. Ich müsste Dinge erwerben, die ich nicht will, damit ich Dinge bekomme, die ich brauche.

Wenn ich mich dann noch in dem ein oder anderen Benutzer-Forum herumtreibe, wo über mehrwöchige Ausfallzeiten berichtet wird, relativiert sich kaum verständliches Telefonieren irgendwie. Notfalls könnte ich mich per kräftigem schlagen von Morsecode mit dem Telefon verständigen.

Dass es am Ende darauf hinausläuft, hat Roland Emmerich in seinem Independence Day sehr weise vorausgesehen. Dann sind wir zwar wieder kurz vor der Buschtrommel, aber man nimmt, was man kriegt.