Wem hilft das?

In Frankreich hat dass Parlament für ein Prostitutionsgesetz gestimmt. Ich frage mich, wem das am Ende hilft. Denn für mich hört es sich nach grobem Unfug an, wenn Frauen sich zwar weiterhin verkaufen dürfen, Männer aber für den Einkauf bestraft werden. Mag sein, dass ich da sehr lösungsorientiert denke, aber das ist eine Nullnummer.

Spielen wir das doch mal aktiv durch. Ich darf nicht für Sex zahlen. Kein Problem. Ich kaufe bei einer Dame einen womöglich etwas überteuerten Kondom, dafür darf ich ihn kostenlos an Ort und Stelle ausprobieren, weil die Dame spontan meinem überwältigenden Charme erliegt. Das wird schön mit Kassenbon belegt, damit die Streife, die uns stört, keinen Strafzettel ausstellen kann. Alles Paletti. Die Dame ist plötzlich ehrenwert, denn sie verkauft ja keinen Sex mehr, sondern Waren. Und die Jungs sind keine Freier, weil sie gehen ja nur Gummis schoppen. Die Nummer läuft unter der Rubrik spontane Geilheit — falls jemand fragt. Das Prostitutionsgesetz wird jedenfalls mit einem banalen Konstrukt zahnlos.

Das Ziel, nämlich der Schutz von Frauen, wird womöglich sogar in weitere Ferne gerückt, als es bisher der Fall war. Denn ein vergleichbares Gesetz in Schweden hat es für die Frauen nicht unbedingt besser gemacht. Es gibt vielmehr Anzeichen dafür, dass es eher schlimmer geworden ist, weil man ja jetzt nicht mehr kontrollieren muss, was nicht sein darf. Womit ein rechtsfreier Raum entsteht, in dem es dann richtig zur Sache geht. Sowohl in Sachen Menschenhandel, als auch was die Brutalität der Freier gegen Frauen betrifft.

Womöglich sehe ich das eindimensional, aber wenn eine Frau freiwillig (ganz entscheidend!) mit einem Kerl in die Kiste springt der dafür zahlt, weil er sonst nicht bei einer Frau landen kann, ist das in meinen Augen erst mal ein ehrlicherer Deal, als wenn sich eine Frau aushalten lässt und dafür still leidend so manches über sich ergehen lässt. Wenn der Kerl für den Druckabbau dafür keine Frau ins Gebüsch zwingt, hilft das der Frau, die es nicht trifft und dem Mann, der wenigstens in Form von Bezahlung eine — wenn auch etwas sonderbare — Form von Respekt gegenüber der Frau ausdrückt, statt einer anderen Gewalt anzutun.

Jedenfalls kann ich in all den bisherigen Lösungen nicht erkennen, dass damit die Selbstbestimmung der Frau in den Fokus gerückt oder gar gefördert wird. Es soll ja durchaus welche geben, für die das in Ordnung ist. Ob eine unterbezahlte Akkord-Arbeiterin am Fließband tatsächlich mehr Würde hat und Respekt erfährt, als eine Frau, die sich für einen Beischlaf bezahlen lässt — ich weiß es nicht. Solange sie NEIN! sagen kann und dass vom Geschäftspartner respektiert wird, ist sie wahrscheinlich freier als ihre Geschlechtsgenossin am Band. Wobei mir durchaus bewusst ist, dass es sicher viele Frauen gibt, die lieber am Band arbeiten würden, als irgend welche Wiederlinge zu erdulden, die sich an ihnen abreagieren. Dass dafür erhaltene Geld kann in diesen Fällen sicher nicht heilen. Das ist das eigentliche Problem, dass aber durch all diese Gesetze nicht gelöst wird.

Ich gestehe, dass ich keine bessere Idee habe. Aber ich halte es für außerordentlich fatal, sich und eine wovon auch immer verstörte Öffentlichkeit mit einenm sinnlosen Gesetz zu beruhigen, dass Betroffene mit großer Wahrscheinlichkeit in noch größere Bedrängnis und Not bringt. Das nützt dann vor allem denen, die für sich in Anspruch nehmen wollen, dass sie was dagegen gemacht haben, aber am Ergebnis kein Interesse zeigen.