Was den frühen Vogel wurmt

Bilde ich mir das ein oder werden Nachrichten tatsächlich immer dümmlicher?

Anmerkung: Ich bleibe bewusst im Vagen, welche Publikation mich zu diesem Artikel motiviert hat.

Morgens nutze ich gern den „Nach­rich­ten­ag­gre­ga­tor“ newstral.com zur Übersicht. Dort genügt bereits ein Überfliegen der gesam­mel­ten Über­schriften für das Er­ken­nen des pub­lizis­tischen Gleich­klangs in den Medien

Zumindest bei den Themen. In der Inter­pre­ta­tion ist bei einigen, die sich ob ihrer Reich­weite mit dem Wört­chen „führend“ schmücken können, zunehmend das, vor dem im Deutsch-Unterricht des letzten Jahr­tau­sends als „ten­denz­iöse Bericht­er­stat­tung“ gewarnt wurde: Bereits die Überschriften appellieren an Meinungs­blasen. Was das Abgrenzen zu „anderer Meinung“ signifikant vereinfacht. Für die Kommunikation zwischen den Gruppen ist es leider wenig hilfreich, wenn diejenigen, die sich eigentlich dem Pressekodex verpflichtet fühlen (sollten), das Gegenteil voran treiben: Sie spalten.

Das Phänomen ist kein Allein­stel­lungs­merk­mal einer bestimmten politischen Couleur. Erfahrene Lesende wissen: Hinter jeder Publikation steht ein Verlag, der wiederum einer politischen Richtung nahe steht, die wiederum vom Verlag getrieben wird, der wiederum die ent­sprech­ende Stimmung macht,… – soviel zur „unabhängigen Presse“.

Mir rückt es die einfachere Vergleich­barkeit offenbar stärker ins Bewusstsein: Zumindest gefühlt wurde früher subtiler „Meinung gemacht“. Offenbar sehen sich die Autoren genötigt, sich der allgemein wachsenden Schlicht­heit von Gedanken und Meinungen anzu­passen. Intellek­tuelle Simpli­fizierung als journa­listische Antwort auf die wachsende Komplex­ität unserer Umwelt.

Wer mit „ich zuerst“ an alle Anfor­der­ungen des Lebens heran geht, mag es für sich angenehm gestalten. Es mag sogar eine tumbe Fan­gemein­de dafür geben, die darin etwas Gutes für sich erkennen will. »Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient«. Im Über­lebens­kampf der Verlage die dem Medium Papier anhaften, das zumindest bei allen unter 50 (und zunehmend darüber) irgendwie aus der Zeit gefallen scheint, wirkt es, als sei das dort mittler­weile der neue Kodex: »Jedes Volk bekommt die Medien, die es verdient«. Aber:

Haben wir die Medien, die wir verdient hätten?

Statt Qualität und gebotener Distanz wird sich ran­gewanzt, dick auf­ge­tragen, polemisiert.
Exemplarisch gesprochen: Natürlich ist Corona ein Problem, natürlich sollten wir alle zu unserem eigenen und dem Schutz der Anderen Hygiene-Regeln beachten. Doch objektiv gilt das immer: Eine aufgrund von Hygiene-Nachlässigkeit übertragene Grippe kann ebenfalls töten. Trotz Impfstoff.

Etwas „unaufgeregtere“ Bericht­erstat­tung könnte die allgemeine Auf­geregt­heit reduzieren. Aufgeregte Menschen sind gefährlich impulsiv.

Das Bild stammt von Pixabay.