Was definiert „substanziell“?

Wie viel Substanz steckt im Versuch, die Meinung anderer durch abwertende Behauptungen schlecht reden zu wollen? Überraschend viel, doch womöglich anders als erhofft.

Das schöne an „Meinung“ ist, dass jeder eine eigene haben darf. Zumindest hier bei uns. Selbstverständlich muss niemand die Meinung eines anderen teilen. Zu einer gepflegten Diskussion gehört unter kultivierten Menschen dennoch der Respekt vor anderen Standpunkten. In meinem Artikel „Sich selbst genug“ habe ich ein Resümee meines Besuchs der Chemnitzer Linux-Tage gezogen. Die Verwendung von „ich“ und „mich“ und das in meinem Blog sind – so meine bisherige Annahme – hinreichend Indizien für die Darstellung einer persönlichen Stellungnahme.

„Substanziell“?

Ob mein Beitrag, weniger „substanziell“ als ein Rückblick von Cornelius Kölbel ist, mag jeder Leser für sich beurteilen. Für mich liest sich das wie ein Tagebucheintrag, in dem „Microsoft“ häufiger vorkommt als „Linux“ („Linuxtage“ mitgezählt), mit Schlaglichtern auf kulinarische Aspekte der Veranstaltung. Den CLT als „das Gourmet-Fest“ hochzustilisieren, halte ich persönlich für eine sehr gewagte These. Mag sein, dass mir in dieser Überschrift die versteckte Ironie entgeht, da ich mich nach einer Sichtkontrolle aktiv gegen das offerierte Speisen­angebot der Veranstaltung entschieden habe.

Wobei ich lediglich Besucher war. Also einer von denen, die der primäre Grund für eine Messe sind. Zumindest verstehe ich das so, was durchaus erkennbar aus meinem kritisierten Beitrag heraus gelesen werden kann. Der vermeintlich substanziellere Artikel beschreibt sehr detailliert die kulinarischen Highlights, die den Ausstellern und Referenten vorbehalten waren.

Was meiner Beobachtung von „sich selbst genug“ eine weitere hinzufügt.

Die Zusammenfassung meines Besuchstages – der Sonntag – auf „Sonne und Schupfnudeln“, sowie „einige“ Interessenten und eine in der Wiederholungshäufigkeit mit „Linux“ gleichziehende Eigenwerbung (zzgl. Beispielcode), reduziert den CLT für meinen Geschmack dann doch auf überraschend wenige Aspekte. Als einfacher Messebesucher habe ich mich mit dem auseinander gesetzt, was mir geboten wurde. Dass ich damit augenscheinlich einen Nerv getroffen habe, wird mit der sich im weiteren Verlauf als Eigentor herausstellenden Behauptung angegriffen, meine Eindrücke hätten sich in einer Stunde und daher oberflächlich gebildet. Ergänzend wird angemerkt, dass die erforderliche Aufmerksamkeit für eine Einschätzung eher qualitativ denn quantitativ relevant ist. Was unterstreicht, dass sich meine Eindrücke durchaus auch in einer Stunde hätten erheben lassen.

Wodurch sich der Angriff selbst das Kernargument entzieht und es keine Rolle mehr spielt, dass ich deutlich länger vor Ort war.

Es gipfelt darin, dass ich es mir zu einfach machen würde, wenn ich in meinem Blog meine Reflexion der Veranstaltung darlege. Immerhin wird anerkannt, dass es sich um eine Reflexion handelt, während das als „substanzieller“ referenzierte Resümee „Unser Stand war schnell abgebaut“ für mich irgendwie ebenfalls nach Nabelschau und „nix wie weg hier“ klingt.

Bezogen auf das mit dem Bericht beworbene Produkt und die Essens­versorgung des CLT ist der Beitrag unstreitig substanzieller. Mein Artikel hatte einen anderen Fokus.

Meine Empfehlung an die „Twitter-Kombattanten“ (in Anerkennung der auffälligen „gefällt mir“-Konzentration): es gibt bei Twitter die Möglichkeit des „Entfolgens“. Ist ein Klick und meine Meinung wird aus der persönlichen Wahrnehmungsblase entfernt. Zwei weniger von Wenigen ist immer noch wenig – also egal.

Ich möchte mich abschließend für den – schwer nachvollziehbaren – Eifer bedanken, mich klein reden zu wollen. Denn euren Followern war ich bisher unbekannt. Die drücken jetzt meine Impressions imposant nach oben. Ich verdanke diesem Entwertungsversuch messbar mehr Aufmerksamkeit. Das ist „substanziell“.