Was definiert „substanziell“?

Wie viel Substanz steckt im Versuch, die Meinung anderer durch substanzlose Behauptungen zu verunglimpfen?

Das schöne an „Meinung“ ist, dass jeder eine eigene haben darf. Zumindest hier bei uns. Selbstverständlich muss niemand die Meinung eines anderen teilen. Zu einer gepflegten Diskussion gehört unter kultivierten Menschen dennoch der Respekt vor anderen Standpunkten. In meinem Artikel „Sich selbst genug“ habe ich ein Resümee meines Besuchs der Chemnitzer Linux-Tage gezogen. Die Verwendung von „ich“ und „mich“ und das in meinem Blog sind – so meine bisherige Annahme – hinreichend Indizien für die Darstellung einer persönlichen Stellungnahme.

„Substanziell“?

Ob mein Beitrag, weniger „substanziell“ als ein Rückblick von Cornelius Kölbel ist, mag jeder Leser für sich beurteilen. Für mich ist das eher ein Tagebuch mit Schlaglichtern auf kulinarische Aspekte der Veranstaltung. Den CLT als „das Gourmet-Fest“ hochzustilisieren, halte ich persönlich für eine sehr gewagte These. Mag sein, dass mir in diesem Titel die versteckte Ironie entgeht, da ich mich nach einer Sichtkontrolle aktiv gegen das offerierte Speisenangebot der Veranstaltung entschieden habe. Wobei ich lediglich Besucher war. Also einer von denen, die der primäre Grund für eine Messe sind. Zumindest verstehe ich das so, was durchaus erkennbar aus meinem kritisierten Beitrag heraus gelesen werden kann. Der vermeintlich substantiellere Artikel beschreibt sehr detailliert die kulinarischen Highlights, die allerdings den Ausstellern und Referenten vorbehalten war. Was meiner Beobachtung von „sich selbst genug“ eine weitere hinzufügt.

Dass mein kompletter Besuchstag – der Sonntag – sich auf „Sonne und Schupfnudeln“, sowie „einige“ Interessenten und ein bisschen Eigenwerbung zusammenfassen lässt, gibt meinem Artikel eine geradezu detailverliebte und ausschweifende Anmutung. Wobei ich mich als einfacher Messebesucher zwangsweise mit dem auseinander setzen musste, was mir geboten wurde. Dass ich dabei augenscheinlich einen Nerv getroffen habe, wird mit der – mit Verlaub – ziemlich plumpen und unqualifizierten Behauptung gekontert, meine Eindrücke hätten sich in einer Stunde gebildet. Ergänzend wird angemerkt, dass die erforderliche Aufmerksamkeit für eine Einschätzung eher qualitativ denn quantitativ relevant ist. Was unterstreicht, dass sich meine Eindrücke durchaus auch in einer Stunde hätten erheben lassen, womit sich der Angriff selbst das Kernargument entzieht.

Das ganze gipfelt darin, dass ich es mir zu einfach machen würde, wenn ich in meinem Blog meine Reflexion der Veranstaltung darlege. Immerhin wird anerkannt, dass es sich um eine Reflexion handelt, während das als „substantieller“ referenzierte Resümee „Unser Stand war schnell abgebaut“ für mich irgendwie ebenfalls nach Nabelschau und „nix wie weg hier“ klingt.

Meine Empfehlung an die „Twitter-Kombatanten“ (in Anerkennung der auffälligen „gefällt mir“-Konzentration): es gibt bei Twitter die Möglichkeit des „Entfolgends“. Ist ein Klick und meine Meinung wird aus der persönlichen Wahrnehmungsblase entfernt. Zwei weniger von wenigen ist immer noch wenig – also egal.

Ich möchte mich für den – schwer nachvollziehbaren – Eifer bedanken, mich klein zu reden. Denn euren Followern war ich bisher unbekannt. Die drücken jetzt meine Impressions imposant nach oben. So verdanke ich diesem Entwertungsversuch messbar „substantiell“ mehr Aufmerksamkeit.