Test vs. Test

Die dunkle Jahreszeit fordert ihren Tribut: mehr Licht am Fahrrad. Das war der Plan. Der vorhandene Halogen-Scheinwerfer hatte seine besten Zeiten hinter sich, wenn er die je hatte. Aufgrund der Entwicklung der Beleuchtungstechnik wollte ich einen Scheinwerfer mit LED, aber nicht mit Akku. Ich wollte damit nicht den Wert des Fahrrads verdoppeln. Also suchte ich bei einem großen, internationalen Versandhändler nach LED-Fahrrad-Scheinwerfern für Seitenläufer, also einem altmodischen Dynamo, bis 40 €.

Gefunden habe ich einen AXA Pico 30 Standard für rund 15 €. Die — vielen — Käufer waren durchweg sehr angetan. Mit den üblichen Ausreißern, die entweder technisch mit einer Zweidrahtverkabelung überfordert waren, oder eine Stadionbeleuchtung für das Geld erwarten. Also einfach mal bestellt, ist ja eine überschaubare Investition.

Dann stolperte ich über einen Hinweis, dass der Scheinwerfer von Stiftung Warentest gar nicht so toll bewertet worden wäre. Genauer: schlecht. Also Heft aufgeschlagen und nachgesehen. Die Testbedingungen waren etwas nebulös, weshalb der Scheinwerfer ausgerechnet im Testabschnitt „Beleuchtung“ maßgeblich abgewertet wurde, war nirgends niedergeschrieben. Die Bestellung war raus, also einfach abwarten.

Die Lieferung kam tags darauf, die Neugier siegte, also habe ich das Ding gleich angebaut und — es war ja herrlich dunkel — einem persönlichen Kurztest unterzogen.
Mir ist ehrlicherweise nicht klar, wo es da bei Stiftung Warentest gehakt hat aber um so klarer, weshalb so viele Kundenbewertungen das Ding so überdurchscnittlich gut bewertet haben. Ich bin vom Preis-/Leistungsverhältnis begeistert. Jetzt sehe ich endlich mal wieder was im Dunkeln. Ordentlicher Lichtkegel, überraschend weit leuchtend. Nummernschilder von Autos blitzen auf, in Schaufenstern reflektiert es taghell. Was will ich mehr?

Bleibt die Frage, welche Tests die glaubwürdigen sind. Bei der Stiftung war es ein etwas besser ausgestattetes Modell, aber deshalb so weit ab von der Einschätzung vieler Tester, die neben meinem einfacheren auch das teurere Modell — positiv — kommentiert haben? Diesen Eindruck teile ich. Ausleuchtung, Helligkeit, etc. sind ausgezeichnet mess- und bewertbare Eigenschaften. Sicher einfacher als die Unterscheidung von künstlichem oder echtem Aroma. Da alle getesteten Lampen für den Straßenverkehr zugelassen sind, was sicher in irgend einer Form normiert ist, entfaltet sich durch das Testurteil „mangelhaft“ der Stiftung Warentest bei der zentralen Eigenschaft — Licht machen — und den vielen, die das anders sehen, meinerseits ein berechtigter Zweifel. Bisher war ich von der Qualtät der „Test-Urteile“ überzeugt. Das gerät zunehmend ins Wanken.