Stolpersteine II

Ich hatte mich schon mal mit dem Thema Stolpersteine beschäftigt. Heute ist da wieder was hochgepöppt, was ich irgendwie komisch finde. Von vorn.

Ein Hauseigentümer will Stolpersteine entfernen. Das „empört“, wobei das — bei genauerer Betrachtung — durchaus sein gutes Recht ist, denn die wurden ohne Rückfrage auf seinem Privatgelände und nicht im öffentlichen Raum installiert. Da will er sie nicht haben aber den Initiatoren ist das unverständlich.

Da schwirren dann so Sachen wie „der Grundstückeingetümer solle sich unendlich schämen“ oder es sei „pietätlos“ und mit der Entfernung wolle der Hauseigentümer „Erinnern unterdrücken“. MOMENT.

Der Besitzer hat nichts gegen die Stolpersteine geäußert. Er hat sich gegen die Stolpersteine auf seinem Grundstück gewandt. Da wurden sie ohne seine Genehmigung eingebaut. Wenn ich was falsch mache, muss ich auch dafür gerade stehen. Die Initiative will aber nicht aus- und wieder einbauen, sondern zickt jetzt rum.

Einerseits finde ich die Stolpersteine eine nette Idee, aber das Gewese, was darum veranstaltet wird, finde ich mittlerweile schon etwas grenzwertig. Es wird ja auch nicht für jedes Unfall-Opfer an Kreuzungen oder Mordopfer in Kleingartenanlagen ein Stolperstein eingegraben. Der Umgang mit den Juden im dritten Reich war eine unermessliche Schweinerei aber irgendwie ist jede Gewalt von Menschen gegen Menschen inakzeptabel.

Und wenn ich als Hausbesitzer nicht will, dass man mir ungefragt was auf mein Grundstück installiert, dann bin ich kein Andenken-Schänder, sondern einfach nur jemand, der beispielsweise keine Lust hat, alle paar Tage gammelige Blumen wegzuräumen, die da offenbar abgelegt werden, wenn die Bilder im Bericht keine gestellten sind. Und wenn „Eigentum verpflichtet“ dann ganz bestimmt nicht, dass jeder, der darauf Lust hat, bei mir Steine eingraben darf.

Irgendwo ist Eigentum nämlich auch Eigentum. Wenn jemand was eingraben darf, dann kommt der nächste und will da seinen Klappstuhl aufstellen, damit er besser „gedenken“ kann. Und ich bin dann der Arsch, wenn ich den vertreibe, weil er sein Gedenken mit Bierdosen untermauert, die er rumwirft?

Zugegeben. Das ist jetzt überzeichnet. Aber wo fängt es an und wo hört es auf? Ich muss nicht begründen, warum ich etwas nicht will, bloß weil das jemand anders nicht passt. Wie würden denn die „Kunstförderer“ reagieren, wenn vor Ihrem Haus Stolpersteine eingelassen würden, mit Hinweisen wie z.B.

In diesem Haus wurden im Krieg reihenweise Frauen vergewaltigt.

oder

In diesem Haus wohnten früher Nazis, die Menschen getötet haben.

Oder sind nur Vergehen gegen Juden „gedenkwürdig“?

Wie gesagt: Gewalt ist generell Scheiße. Druck auf jemanden per Zeitung und sonstigem Gedöns, weil jemand nicht bereit ist, meine eigene Trotteligkeit zu dulden, ist ebenfalls eine Form von Gewalt. Die üble Nachrede war er Ursprung der Shoa.