Sozial-Media und Datenschutz

Mein Bruder hat mir einen interessanten Link zum Thema „Bilder machen in Zeiten der DSGVO“ geschickt.

Was da teilweise bei Instagram und Co als Bild hoch­ge­laden wird, verstößt zwar schon jetzt regel­mäßig gegen bestehende Rechte von Dritten. Doch wirklich fürchten musste niemand, dass es deshalb Ärger geben könnte. Ent­weder, die ab­gebil­dete Person hatte keine Ahnung von den eigenen Rechten oder es „ist halt so“. Solange es kein perfekt scharfes, detailliertes Front­foto davon ist, wie hacke­dicht von einer Mauer in ein Cabrio hinein­gepin­kelt wird, nehmen die Ab­ge­bilde­ten leicht un­vor­teilhaf­te Bilder (not­gedrun­gen) meist sportlich. Bisher auch deshalb, weil das „Recht bekommen“ letzt­end­lich nur die Auf­merk­sam­keit erzeugt, die best­möglich ver­mie­den werden soll. Mit einem guten Anwalt kann sich das zu­künf­tig richtig lohnen – das relativiert.

Dass ein poten­ziel­ler Chef es wo­mög­lich ent­schei­dungs­rele­vant regis­trie­ren könnte, wenn der Bewerber für die Fillial­leitung er­kenn­bar regel­mäßig Pro­bleme hat, die Privat­sphäre des anderen Geschlechts zu respektieren, lediglich „hey, der hat doch selbst die Sekre­tärin unter dem Schreib­tisch hocken“ als Reaktion auslöst, kann ja nix schief gehen. Zumindest so lang, bis Betrof­fene fest­stel­len, dass es zwar noch keine jus­tizia­ble sexu­elle Beläs­tigung ist, das Bild jedoch wenig vor­teil­haft und unge­fragt ver­öf­fent­licht ist1.

Lars Rieck setzt sich in seinem Artikel Wissen zur DSGVO – 7 Tipps für Fotografen zwar eigentlich nur mit den An­for­derun­gen an die pro­fess­ionel­len Bilder­macher aus­ein­ander. Dabei streift er aller­dings unter der Überschrift „Wild­card Ein­wil­li­gung“ ein sehr span­nen­des Thema: mit Gültigkeit der DSGVO sind „Normal­sterb­liche“ aus­schließ­lich mit deren Geneh­mi­gung auf öffent­lich zu­gäng­lichen Bildern zulässig. Es drückt ordent­lich auf die Spaß­bremse, wenn für jedes Instagram-Bild die schriftliche Ein­wil­ligungs­geneh­mi­gung ein­ge­holt werden muss.

Die Er­laub­nis ist zu allem Über­fluss auch noch fragil, denn sie kann jeder­zeit wider­rufen werden. Die Kahl­schlag-Axt für die „sozialen Medien“ ist der Um­stand, dass es mit dem neuen Gesetz Hebel gibt, sein Persön­lich­keits­recht durch­zu­setzen. DM und Rossmann wird es freuen, weil das eine Renais­sance des (wieder ein­sammel­baren) Papier­bildes ein­läu­ten könnte.

Ein bisher ein­wil­ligen­der und nun tief ver­letz­ter Ex­partner oder „Freund“ kann wirt­schaft­lich schmerz­haft Rache üben, wenn der per Gerichts­voll­zieher zu­ge­stellte Ein­­wil­­ligungs­ent­zug pünkt­lich zum bei Face­book an­ge­kün­dig­ten Urlaubs­beginn im Briefkasten landet. Die drei Wochen Mau­ri­tius kön­nen in so einem Fall un­er­war­tete, er­heb­liche Zusatz­kosten ver­ur­sachen.

„Auf dem Bild hab ich dich aber er­wischt!“ kann im Wort­sinn ein hart ein­schla­gen­der Bumer­ang für Hobby-Foto­grafen werden. Denn selbst wenn die abgelichtete Person über sich selbst lachen kann und das Bild völlig in Ordnung findet, kann der an­geschick­er­te Un­bekann­te im Hinter­grund das lustige Party-Foto zum Anlass nehmen, sich das Geld für sein nächstes Gelage beim Foto­grafen per Klage zu holen. Selbst der akurate Kellner auf dem Bild kann sich sein Trink­geld auf­bessern, einfach weil er´s jetzt kann.

Daher wird zukünf­tig die Zahl der Bilder mit Menschen drauf im Netz wahr­schein­lich signi­fikant ab­nehmen. Auf den Weni­gen wird vor lauter Ver­pixe­lung kaum etwas erkennbar sein. Verpixeln und Geneh­mi­gung ein­hol­en müs­sen wird den Meisten die Lust auf Mediales „ich zeig euch mal, wie geil [ich|meinen Freun­de|die von mir be­such­ten Parties| …] abgehe(n)“ deut­lich dämpfen. Die zitierte „schwe­dische Lö­sung“ ist für die sozialen Medien keine, weil die Mei­nungs­freiheit bereits jetzt schon bis auf wenige Aus­nahmen bei Verletzung der Privat­sphäre endet. Mit den Rechts­normen der DSGVO wird die Ver­fol­gung der­ar­tiger Ver­stöße er­heb­lich einfacher durchsetzbar.

Der zitierte Artikel setzt sich mit der öffent­lichen Nutz­ung von Bildern aus­ein­an­der. So lange die Urlaubs­bilder nur zu Hause im Album ein­seh­bar sind (egal ob Papier oder digital), muss sich niemand sorgen.

Es könnte jedoch bereits kritisch werden, wenn Bilder in eine Cloud hochgeladen und Links dorthin verteilt werden. Damit lässt sich bereits „Öffentlichkeit“ herstellen. Hier ist äußerste Sorgfalt geboten. Wie es ggf. von Richtern bewertet wird, dass ein Foto von einem Dritten veröffentlicht wurde und der (Privat-)Fotograf dafür keine Zustimmung erteilt hatte, würde ich persönlich zwar als „für den Fotografen eher unkritisch“ einstufen. Eine Wetten darauf lehne ich jedoch entschieden ab.


  1. Das trifft dann zwar den Fotografen. Doch der wird womöglich überdenken, ob er wirklich mit jemandem befreundet sein will, der solchen Ärger verursacht. ↩︎