Selbstüberforderungsmaschinen

Die neuen Werbespots von Apple sind für mich ein einziges Fragezeichen. Wofür brauche ich Maschinen, die letztendlich nur Stress verursachen?

Sich selbst nachlaufen Wozu soll ich mir bitte eine Uhr umlegen, die mich permanent anpeitscht, mich bis auf den letzten Tropfen zu verausgaben, mich ständig „selbst zu überholen“. Als ob der klassische Tag eines Berufstätigen noch weitere Verschärfung benötigt. Dabei spielt es für mich keine Rolle, dass die Werbung natürlich freundlich alles ausblendet, was den Anflug von Arbeit hat.

Alles ist natürlich voll spaßig, wenn ich früher laufen soll als gestern, schneller, weiter, und am Schluss noch mal fix durch den Ärmelkanal schwimme und mich dabei selbst etwas irritiert am Strand zurück lasse.

Wie bekloppt muss man sein, sich von einer Maschine am Handgelenk unter Druck setzen zu lassen. Ich nehme an, die Daten gehen zu allem Überfluss direkt in eine dicke Datenbank in Übersee. Von dort finden sich sicherlich Wege zur Schaffung von Mehrwert, beispielsweise für die Lebens- und Krankenversicherungen, die damit ausrechnen können, ab wann ich mich nicht mehr rechne.

Dieser durch die Werbung suggerierte Selbstoptimierungszwang ist ziemlich pervers. Denn da läuft niemand mit, es geht allein und ausschließlich um mich. Maximiere deinen Egoismus, deine Selbstzentriertheit, deine Ignoranz gegenüber allem, was dich umgibt. Es geht immer und überall nur allein um dich, dich, dich.

Da ist es wenig verwunderlich, dass für eine wachsende Zahl Menschen der Begriff „Erste Hilfe“ das Drücken des Aufnahmeknopfs vom Mobiltelefon ist. Nah genug dran, damit es geil scharfe 4k-Videos für YouTube & Co. werden und ich der Tagesklick-König werde, aber weit genug weg, damit die Hauptakteure des Films mir keine Fragen stellen. Mitmenschen sind kein Bestandteil der Selbstoptimierung.

Das Bild habe ich bei Pixabay gefunden.