6000 Schritte

Das Hamburger Arbeitsamt hat sich was wirklich Kreatives ausgedacht, damit die Arbeitslosenzahlen schöner aussehen. Der NDR hat das in einen Bericht gepackt, der sehr deutlich macht: Hier sollen nur Zahlen schön werden. Auf der einen Seite in der Statistik, auf der anderen Seite für die Prämien der Leute, die sich so einen Schwachsinn ausdenken. Für die Betroffenen ist das weder hilfreich, noch eine Perspektive. Vielmehr bekommen Arbeitssuchende das aufgenötigt, was dem landläufigen Bild des faulen Arbeitslosen aktiv Vorschub leistet. Finanziert mit Steuergeldern, von denen, die sich um die Leute bemühen sollten, statt sie zu verwalten und in der Statistik hin und her zu schieben.

Natürlich wird es Menschen geben, die trotz vorzüglicher Ausbildung nicht vermittelbar sind, weil das halt gerade nicht gebraucht wird. Oder niemand da ist, der den Wert ihrer Kompetenzen für seine Herausforderungen ummünzen kann. Daran könnte man für meinen Geschmack mal arbeiten, denn da liegt das Problem.

Allerdings zeigt der Bericht, wie die Politik damit umgeht. Ausblenden. Wenn es keiner sieht, gibt es das nicht. Ein beliebtes Vorgehen unser Volksvertreter, das ich schon an anderer Stelle gestreift habe. Spazierengehen löst die Herausforderung weder für die Allgemeinheit noch für die Betroffenen. Wenn im Film Herr Letixerant sagt: „Wir arbeiten nicht für die Zahlen, wir arbeiten für die Menschen“ (ab Filmminute 3:05), tropft auf der Grundlage der von seinem Haus offerierten Maßnahme „6000 Schritte“ aus jedem Wort maximaler Zynismus, den er ohne erkennbares Schamgefühl äußert. Oder er merkt gar nicht mehr, was er da sagt. Vielleicht sollte er auch mal 6000 Schritte um die Alster gehen, damit er den Kopf frei bekommt.

Das Video steht womöglich nur sieben Tage beim NDR auf der Seite, weil die öffentlich-rechtlichen Anstalten da so einen Deal mit der „freien Presse“ haben. Falls jemand eine andere Adresse kennt, die den Bericht möglicherweise länger vorhält, bin ich für Hinweise dankbar.