Schlechtes Augenmaß

Wieviel sind zwei Meter? Diese Frage scheint viele hoffnungslos zu überfordern. Zumindest ist das mein Eindruck nach einem notwendigen Einkauf.

Trotz „Lockerungen“ versuche ich mich bei meinen Einkäufen auf das Nötigste zu beschränken. Dank eines glücklichen Umstands (Überbleibsel einer Re­no­vie­rungs­maß­nahme) verfüge ich über einige hochwertige Atemschutz-Masken. Das ist kein Schreibfehler, sie erfüllen das Schutzlevel FFP3. Im Gegensatz zu „Null Selbstschutz“ der „Atem­wegs­ab­deckungen“, für die Bastel­an­lei­tungen gerade das Netz überfluten.

Doch offenbar fühlen sich die Träger dieser selbstgeklöppelten Gesichtsmasken »geschützt«. Obwohl das Stück Stoff eine vergleichbare Sicherheit bietet wie der Schleier, der muslimischen Beamtinnen verbotenen ist.

Eine grobe Fehleinschätzung der gefühlten Schutzfunktion solcher Selbstbau-Masken.

Ich habe darüber hinaus den Eindruck, dass viele dieser Masken auf den Sehnerv drücken und so die visuelle Wahr­nehmung stören. Denn Masken­träger haben häufig eine stark reduzierte räumlichen Wahrnehmung. Das variiert zwischen Halbierung der „Wunsch-Distanz“ zwei Meter bis hin zu „uups“ nach dem anrempeln.

Ich bin — wahrscheinlich/hoffentlich/noch — keine virale Gefahr für meine Mitmenschen, meine Maske schützt mich in solchen Situationen, die trotz außerordentlicher eigenen Umsicht unvermeidbar zu sein scheinen: Subjektiv wurde ich „vor Corona“ erheblich seltener in einer Vorwärts­bewe­gung von hinten angerempelt. Einkaufende erscheinen mir noch mehr im Tunnel als „früher“. Das könnte sich zu einem handfesten Problem entwickeln, insbesondere, weil „Lockerung“ von einigen offenbar mit „das Ganze locker sehen“ gleichgesetzt wird.

Dabei weisen die Geschäfte uns doch mit Abstandsmarkierungen und großen Warnhinweisen auf die Notwendigkeiten hin. Leider ignorieren häufig ausgerechnet die Angestellten die an die Kunden gestellten Forderungen am konsequentesten. Was zweifellos mit dem Dienstleistungsgedanken erklärt werden kann, bei dem „Kundennähe“ auch im wörtlichen Sinne ein wichtiger Aspekt ist.

Ist aktuell und auf absehbare Zeit jedoch falsch, gedanken- und respektlos.

Am fatalsten erscheint mir die Ahnungslosigkeit, mit der ausgerechnet Personal, das eigentlich geschult sein sollte, die „Hygiene-Regeln“ umsetzt.

  • Die gängigen Handschuhe bieten gegen Viren keinen Schutz. Nach dem Ausziehen — ohne dabei die Außenseite zu berühren (!) — müssen die Hände erst recht gewaschen werden.
    • Der Platz zwischen Handschuh und Hand bieten Viren ein hervorragendes Habitat zum Überleben. Die „blanke Haut“ (regelmäßig mit Seife gewaschen) schützt besser.
  • „Unter die Maske fassen“ – mit und ohne Handschuh – hebelt die Schutzfunktion aus.
  • Beim erneuten An-/Ausziehen in die Maske fassen oder sie zusammengeknäult in die Hosentasche stecken, ebenfalls.
  • Eine Maske mal links- mal rechtsherum aufziehen, …
  • Die Maske nur vor dem Mund, der Zinken darüber, …
  • Die Maske nur oben geschnürt, unten offen (egal ob über Mund und Nase oder nur Mund),…

Die Liste der beobachteten „Gedankenlosigkeiten“ ist noch deutlich länger – die geschliderten sollen lediglich sensibilisieren.

Zu „gutem Augenmaß“ gehört auch das korrekte Einschätzen unsichtbarer Gefahren. Insbesondere jene, die sich mit Einweg-Handschuhen und Klinik-Maske durch den Supermarkt bewegen, sollten sich vorab mit der korrekten Anwendung von Schutzmaßnahmen auseinander setzen. Denn nur dann kann ein gewünschter Schutz seine Wirkung entfalten. Andernfalls kann er sich ins Gegenteil umkehren.

Zum „richtigen Augenmaß“ gehört jedoch vor Allem, die im Grunde einfachen Regeln so gut wie möglich einzuhalten:

Häufiges Händewaschen mit Seife, Abstand halten, in die Armbeuge husten/niesen, Mitmenschen mindestens mit dem gleichen Respekt behandeln den man für sich selbst beansprucht.

Bitte bedenken:
Wenn alle Masken ordnungsgemäß tragen entsteht ein Schutz für alle.
Gutes Sozialverhalten ist zweckmäßiger Egoismus:
Wenn ich „meine Viren bei mir behalte“ und damit die Ansteckungsgefahr für andere reduziere, trage ich aktiv dazu bei, dass auf­grund be­herrsch­barer An­steckungs­raten gegebenenfalls ein Intensiv-Bett für mich frei ist…

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