Säbelrasseln

Herr Gauck sieht es als Pflicht, dass wir auch militärische Mittel einsetzen. Gut gegen böse würde halt so laufen und wir sind ja jetzt gut. Per se sind also alle gut, die eine gute Waffenausstattung haben, denn die können ihre Sicht der Dinge durchsetzen. Glauben sie zumindest.

Wohin das mit dem befreien von Völkern in den letzten Jahrzehnten geführt hat, sieht man prima in Afghanistan, im Irak und Iran. Außerdem ist es so eine Sache mit dem Despot sein. Ist Herr Erdogan ein Demokrat oder ein Despot? Ist es gut, wenn in Brasilien ein kostspieliges Vergnügen auf dem Rücken der Armen ausgetragen wird, deren Proteste mit Gummigeschossen beantwortet werden?

Denn ist der zwangsläufige Umkehrschluss: Wenn unsererseits Waffen verwendet werden, dann natürlich nur zum Guten. Blöd wird es, wenn jemand anders mit der gleichen Intention seine Definition von gut mit der gleichen Argumentationskette rechtfertigt oder gleich durchsetzt. Sind dann die gut die in der Mehrzahl sind? Ist es gut wenn wir uns in der Ukraine einmischen und genauso gut, wenn wir das in Syrien nicht tun?

Was ist der Gradmesser für jetzt aber los? Ab 50, 100, 1000 Toten? Oder 1000, 5000, 100.000 Barrel Liter weniger Öl pro Tag? Fünf Punkte weniger an der Börse? Weil jemand eine Fahne verbrennt oder meine Religion beleidigt? Wer definiert, wann es genug ist?

Waffen sind in meinen Augen immer eine total bescheuerte Idee. Sobald geschossen wird, gibt es nur Verlierer, nämlich diejenigen, die für andere den Kopf hinhalten. Würde Herr Gauck denn vorneweg laufen? Wohl kaum. Gerade er sollte eigentlich wissen, dass man Recht nicht mit Unrecht erstreiten kann.

Der Zweck heiligt nicht die Mittel — auf beiden Seiten stehen Priester, die beim gleichen Gott, nur mit unterschiedlicher Colorierung, um den Sieg bitten. Das kann nur in die Hose gehen.

Natürlich ist es Scheiße, wenn irgendwo auf der Welt Menschen von anderen Menschen unterdrückt, gefoltert und gemordet werden. Dazu muss man eine ablehnende Haltung haben. Aber noch lange nicht losziehen, damit ich Elend über die bringe, die bisher ein bisschen mehr Glück hatten.

Ich habe nichts gegen Einmischen. Wir könnten beispielsweise nicht so rumzicken, wenn Flüchtlinge an unsere Tür klopfen. Oder Fördermittel streichen, wenn damit nicht mehr eine Fußball-Weltmeisterschaft, sondern der Fifa-Worldcup ausgetragen wird. Die sammelt stramm Kohle ein und lässt sich von allen Seiten bezahlen.

Aber da schaut Herr Gauck dann doch lieber weg. Das sind die Spiele und das Brot für´s Volk. Das ist gut, die Waffe heißt viel Geld und ist perfider. Denn es fließt zwar kein Blut und es gibt schöne bunte Bilder. Aber Unrecht ist es dennoch. Halt eins, das uns prima in den Kram passt.

Da hat man dann notfalls die Pflicht, mit paramilitärischer Polizei die Interessen der Wirtschaft durchzusetzen. Sind ja nur Gummigeschosse. Aber mit irgendwas muss man ja anfangen.