Protestieren für den Krieg

Bei EADS sollen Stellen abgebaut werden. Stellenabbau löst bei Gewerkschaften reflexartige Reaktionen hervor. Die erste ist Protest.

Schaut man sich die Sache etwas genauer an, geht es um Stellen in der Rüstung. Dagegen ruft die IG Metall zu einer Kundgebung auf. Bei genauerer Betrachtung ist das ein Aufruf für den Krieg — wozu sonst braucht man Rüstungsindustrie?

Finde ich befremdlich. Da wird im Aufruf ein Schutzschirm für Standorte gefordert, an denen Geräte gebaut werden, mit denen man anderen Leute von oben todbringende Sachen auf deren Dach wirft.

Da kommen im Aufruf dann zwar noch so ein paar Platitüden der Art „Die Beschäftigten fordern klare Perspektiven: Beschäftigung gestalten!“, den Ansatz, dass der Abbau von kriegswichtigen Arbeitsplätzen durchaus der erste Schritt einer Gestaltung sein kann, wird da sehr aktiv verdrängt. Veränderung hat Folgen. Im ersten Moment durchaus welche, die mir nicht gefallen müssen. Beim Blick auf das große Ganze sieht das womöglich etwas anders aus. Ich ziehe mal einen Vergleich aus der Medizin herbei: Man muss einen schief gewachsenen Knochen brechen, damit er richtig zusammenwachsen kann. Tut erst mal fies weh und ist ein harter Weg, aber statt humpeln richtig gehen: Das ist doch eine Aussicht, für die Zähne zusammenbeißen lohnt.

Liebe IG Metall: Mir ist klar, dass EADS diese Option von sich aus nicht ins Auge gefasst hat. Dass ihr das nicht auf dem Reißbrett habt, ist — in meinen Augen — schwach bis peinlich.