Political Correctness

Diese Woche war schon ziemlich schräg. Bei manchen Dingen, die von den Medien hochgepuscht werden, geht bei mir ein Impuls in Richtung Unterarm, damit ich mir nochmal die Augen reibe, ob ich das gerade wirklich gelesen habe.

Es hat etwas Befremdliches,wenn ein Bundespräsident sich Gedanken über den Wähler-Willen macht. Vor allem merkt offenbar niemand, wie widersinnig seine Gedankenspiele sind. Der Tagesspiegel schreibt:

Die Wahlentscheidung sei zu respektieren, sagte Gauck in einem Interview für die ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Dennoch bleibe die Frage: „Ist die Partei, die da den Ministerpräsidenten stellen wird, tatsächlich schon so weit weg von den Vorstellungen, die die SED einst hatte bei der Unterdrückung der Menschen hier, dass wir ihr voll vertrauen können?“

Dass er als Präsident betont, die Wahlentscheidung „sei zu respektieren“ ist ein echter Klopfer. Bürschlein: Das steht so im Grundgesetz. Was das Vertrauen betrifft: ein Wahlvotum als solches ist ein Vertrauensentscheid. Denn der Wähler vertraut darauf, dass die gewählte Partei seine Wünsche an die nahe Zukunft realisiert. Eine Partei ohne das Vertrauen der Wähler würde kaum einen Ministerpräsidenten stellen können. Zumindest so lange, bis wir wieder zur Monarchie zurückgekehrt und Wahlen als unnötig abgeschafft haben.

Was bei den aktuellen Stimmenverhältnissen im Bundestag zumindest theoretisch möglich wäre. Denn unsere Herrschenden haben mit fast 80% Stimmen der Bundestags-Sitze alle Optionen für die Änderung unserer Verfassung. So banale Randprobleme wie Artikel 20 oder Artikel 79 lassen sich sicherlich lösen. Man muss es nur von hinten aufzäumen: Artikel 79 weg und die Pforten öffnen sich.

Allerdings wird das wahrscheinlich nicht passieren, weil ja nur einer König werden kann. Da ist das aktuell mit den Bundestagsmandaten und den sich daraus eröffnenden Möglichkeiten für das Abstimmvolk dort in jedem Fall attraktiver. Da kann sich jeder mit ein paar Pöstchen versorgen und alles läuft wie geschmiert. Ich betone „wie“. Das entbehrt der Andeutung „ist geschmiert“ — wenngleich in dubio pro reo immer schwerer fällt.

Aber zurück zu unserem Joachim. Natürlich hat der das Recht auf eine eigene Meinung und mit seiner Geschichte mag sein Einwand nachvollziehbar sein. Als Chef von Alles — wenn auch nur protokollarisch — sollte er aber nicht gegen den Wind pinkeln. Die Entscheidungen des wirklichen Souverän — das ist zumindest theoretisch das Volk — sollte jemand in seiner Position allenfalls im Keller bei den Kartoffeln in Frage stellen.

Fällt unter die gerade so wichtige „political correctness“. Also dass man alles sagen darf, solange man damit nicht wirklich was sagt, oder zumindest von niemandem irgendwelche potentiellen Gefühle verletzt. Ein zweijähriger Pampers-Träger ist o.k., ein kleiner Hosenscheißer geht gar nicht. Wenn ein Moslem die Sure 9, Vers 5 für sich beansprucht, und deshalb Köpfe runterschlägt, ist es o.k., wenn ein Dieter Nuhr sie zitiert und meint, dass das irgendwie so toll nicht ist, geht das gar nicht.

Ob die Pointen von Dieter in Sachen Islam immer passen, sei dahin gestellt. Ein starker Glauben hält solche Sprüche aus. Mir fällt auf, dass bis auf ein paar extemere Moslems eine ganze Menge andere Moslems da gar keinen Cent drauf geben, sondern in einer differenzierteren Form genau das Gleiche sagen, wenn sie den Tag #notinmyname verwenden. Und unsere Presse geilt sich dran auf, obwohl mutmaßlich keiner der Zeitungsschreiber Moslem ist. Also so richtig bescheid weiß.

Weil ich bzgl. Koran definitiv keinen Plan habe, steht mir eine konkrete Beurteilung nicht zu. Ich kann allenfalls für mich festhalten, dass Menschen, die an den Koran glaubten, unsere Welt in der Vergangenheit an vielen Stellen besser gemacht haben. Leider gibt es gerade Menschen, die den Koran als Vorwand nutzen und all das nachhaltig vergessen lassen. Mit political correctness wird sich da kaum was nachhaltig verbessern.