Pfosten

Da stehe ich mal wieder vor so einem Pfosten, der mir mein Verhalten vorschreibt. Dabei verfüge ich über eine Hochleistungsrechner mit ausgeklügelter Sensorik für Geräusche, Bewegung, Lage, Wetterdaten, optisches, etc. Trotzdem meint dieser ferngesteuerte Pfosten, dass ich jetzt stehen bleiben soll. Obwohl mir meine komplette Sensorik signalisiert: Weit und breit keinerlei Gefahren. Weder für andere noch für dich selbst, wenn du den Pfosten einfach ignorierst.

Der Pfosten hat allerdings einen Trumpf. Die Straßenverkehrsordnung. Die sagt eindeutig: Pfosten haben immer Recht. Wer sich gegen die Vorgaben von Pfosten auflehnt wird abkassiert, wenn sie/er dabei erwischt wird. Wobei das nicht generell gilt. Denn wenn der Pfosten mich auffordert, dass ich gehen oder fahren soll, kann ich das auch einfach lassen. Das wird erst dann gebührenrelevant, wenn es eine signifikante Behinderung darstellt. Die muss allerdings von Menschen festgestellt werden, weshalb sich das eher selten bis nie auswirkt, wenn ich einfach mal sage: Hey Pfosten, ich bleib jetzt steht, egal wieviel grün du mir zeigst.

Ich sehe ja durchaus den Vorteil und Nutzen vieler Pfosten, die beispielsweise an schlecht bis gar nicht einsehbaren Kreuzungen dafür sorgen, dass jede(r) weiß, wann sie/er dran ist. Also groben Unfug stufe ich allerdings Pfosten ein, die mich bei einer einspurigen Straße, die ich auf mehrere 10 Meter problemlos einsehen kann, nötigen wollen: Kommt zwar grade keiner, aber du bleibst stehen!

Mag sein, dass die Großverkehrslage es als zweckmäßig erachtet, dass der Pfosten aktuell eine rote Birne hat. Falls doch was da langführe, soll das behinderungsfrei funktionieren. Damit es keinen Rückstau wohin auch immer gibt. Aber wenn da nichts zum stauen ist, sehe ich nicht, weshalb ich vor einer gähnend leeren Straße gestaut werde. Bloß weil der Pfosten, der das von mir fordert, so strunzblöd ist, dass er es nicht peilt, wie unsinnig sein Ansinnen gerade ist.

Ein blinkendes gelb könnte ich akzeptieren. Das ist ein Hinweis für die Tagträumer, Obacht, dreh den Hals und verlasse dich nicht auf das Licht. Was sowieso ratsam ist, wenn ich sehe, wie oft Pfostensignale und Reaktionen der motorisierten Teilnehmer nicht harmonisieren. Als Fußgänger oder Radfahrer ist die Benutzung des eigenen Rechenzentrums daher Pflicht. Gekoppelt mit den dort Hinterlegten Regeln halte ich ein „Übersteuern“ der Basisregeln des Pfostens in eindeutigen Situationen daher für durchaus zweckmäßig. Was keine Aufforderung zur generellen Pfostenmißachtung darstellen soll. Vielmehr die Aufforderung, nicht alles widerspruchslos hinzunehmen, sondern die eigene Birne zu benutzen.