Pfand auf Smartphones

Die Grünen glauben, Deutschland würde „müllfreier“, wenn auf möglichst viele Produkte ein Pfand erhoben würde. Zweifel sind angebracht.

25 Euro Pfand pro Smartphone wären eine dolle Sache, damit die Recycling-Quoten zunähmen. Als Beispiel wird im FAZ-Artikel der Batterie-Pfand in Dänemark angeführt. Dort habe ein Pfand von 80 Cent pro Batterie die Rückgabe von 32 auf 50% in die Höhe getrieben. Dass Deutschland ohne Pfand bereits 52% Quote hat – ein belangloses Detail.

Ebenso, dass viele Pfandflaschen als „Obdachlosengold“ in Mülleimern landen. Was das Kernproblem von Pfand offenbart: Wer Samstags mit seiner Handvoll Flaschen in der Schlange vor dem Pfandrücknahme-Automat steht, stellt sich regelmäßig die Frage, ob 80 Cent Pfad 5-15 Minuten warten wert sind. Spätestens wenn der Automat sich bei der Rücknahme der Flaschen maximal zickig verhält, die vor zwei Wochen im gleichen Geschäft erworben wurden, kann die Antwort nur „nein“ lauten.

Wenn vorn in der Schlange ein Obdachloser mit einem vollen Einkaufswagen Sammelerfolg steht, bekommt die nächste Stunde Struktur. Alternativ wirft der weise Pfandeinlöser sein Leergut als Spende in den Korb des Gestrandeten und geht seiner Wege. Damit tut er der Umwelt, doch vor allem seinem Nervenkostüm etwas Gutes. Denn die Achillesferse aller Pfandsysteme ist die Rückgabe.

Für den Erwerb von Pfandflaschen bieten die Konsumtempel mehrere Kassen an, die mit Förderbändern einen maximalen Durchsatz gewährleisten. Es ist ein krasses Missverhältnis, 3-5 Kassen mit versiertem Personal häufig lediglich einen Rücknahme-Automaten mit umständlicher Einzelannahme von Flaschen beizustellen. Dem Scanner beim Rollen der Flaschen auf der Suche nach dem Pfandcode zu beobachten, hat keinen kontemplativen Wert. Es nervt einfach nur. Eine Hochrechnung dieses Wartens für viele weitere Produkte macht deutlich: Die Zeit zum Arbeiten gehen wird knapp.

Womöglich wäre es viel einfacher: In meiner Kindheit gab es im Ort einen „Schrottler“. Der war fußläufig erreichbar, dort war in meiner Erinnerung „immer auf“. Der stets freundliche ältere Herr hat das Mitgebrachte taxiert, den Ankaufpreis genannt, der sich immer fair anfühlte, das Geld rüber geschoben, fertig, Nächster. Heute muss ich meinen Personalausweis vorlegen, wenn ich Kupferkabel-Reste zum Recycling bringe, mich erklären, wo das her ist und bekomme kaum etwas raus.

Es erfordert schon einen sehr starken Recycling-Willen,

  1. Ermitteln, wann die Sammelstelle überhaupt auf hat,
  2. einen Termin in den Kalender einzutragen und den am Vorabend zu kontrollieren, falls — warum auch immer — die Annahmestelle „heute ausnahmsweise“ zu hat,
  3. sich zu den Öffnungszeiten frei nehmen,
  4. das Zeug vorzusortieren, weil es nur so angenommen wird,
  5. es ins Auto zu packen und die 15 km zur Sammelstelle zu fahren,
  6. sich dort von mies gelaunten Mitarbeitern anraunzen zu lassen,
  7. die Sachen getrennt auszuwiegen – auf einer Waage, an die man sich jedes Mal neu anstellen muss,
  8. auf dem Recyclinghof kreuz und quer zu fahren, damit die Sachen in die jeweiligen Container geworfen werden – von mir selbst natürlich,
  9. feststellen, dass man wieder die Gummistiefel vergessen hat und deshalb das Auto innen anschließend von Sachen reinigen muss, denen man üblicherweise bestmöglich aus dem Weg geht,
  10. mit dem Wiegeschein in die Schlange stellen, um nach Vorlage des Personalausweises und Erfassung der persönlichen Daten die 2,50 € einzusacken, die der ganze Aufriss am Ende bringt,
  11. die etwa 5kg CO2 zu ignorieren, die bei der „Recycling-Tour“ angefallen sind.

Zumindest ist es nachvollziehbar, weshalb ein Großteil Mitmenschen aufgrund der Wertschätzung für die eigene Lebenszeit recyclingfähiges Material in die Restmülltonne werfen. Denn in die „gelbe“ dürfen viele Sachen, von denen angenommen werden darf, dass es wertvolles Recycling-Material ist, keinesfalls – Smartphones beispielsweise.

Statt über „Pfand auf alles“ sollten „gut zugängliche, funktionierende Recycling-Stellen für Alle“ eine höhere Priorität haben.

Einen „Restwert“ ausgezahlt bekommen, hat wahrscheinlich einen weit höheren Reiz als sich für zwei Flaschen im Gegenwert von 16 Cent in eine Schlange einzureihen. Außerdem sollten die wirklich recycled, statt zusammengepresst an die Müllverbrennung verkauft werden, damit die nötige Temperatur erreicht wird, bei der möglichst wenige giftige Gase entstehen.

Doch das ist kein Müll, sondern ein „Müllkreislauf“. Letztendlich ist „müllfrei“, wie so Vieles, eine reine Definitionsfrage.

Als wäre es bestellt: Im Radio läuft gerade die Meldung, dass ein Recyclinghof in Berlin schließen muss, weil dort „Stadtquartiere“ entstehen sollen. Sicher ohne Recycling-Rückgabe-Stelle.

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