Orientierungshilfe?

Update 23.05.2019! Für die diesjährigen Wahlen gibt es wieder einen Wahl-O-Mat. Doch der führt möglicherweise in die Irre und offenbart Wundersames, wenn man sich etwas Zeit nimmt.

Update: Nachdem eine kleine Partei das hier nachfolgend geschilderte Dilemma als Argument der Benachteiligung kleinerer Parteien bei einem Gericht durchgesetzt und die Abschaltung des Wahl-O-Mat erzwungen hatte, habe sich die Bundeszentrale für Politische Bildung mit ihnen verständigt. Wie, ist unklar, denn der Wahl-O-Mat ist jetzt wieder erreichbar, hat jedoch weiterhin die bemängelte Einschränkung auf acht Vergleiche.

Alle Parteien auf einer Karte Bisher bin ich davon ausgegangen, die Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) veröffentliche nur Informationen, die auf sorgfältiger Recherche beruhen. Ich erinnere mich dabei an die Hefte, die zu meiner Schulzeit für die NS- und Nachkriegszeit eine vorzügliche Informationsquellen waren.

Auf diesem Erfahrungshintergrund sollte mich der Wahl-O-Mat als Orientierungshilfe bei der Europawahl unterstützen. Wobei das mit Hindernissen verknüpft war, denn bereits die Suche ist irritierend. Welches der diversen Angebote einschlägiger Suchmaschinenen das Richtige ist, erfordert genaueres Hinsehen. Diverse Publikationen bieten Links zum Wahl-O-Mat an, doch ob das wirklich „der Wahl-O-Mat“ der bpb ist, lässt sich wahrscheinlich nur verlässlich am Link erkennen. Der sollte mit „https://www.wahl-o-mat.de/“ beginnen.

Was mir spontan aufstößt sind die „Medienpartner“, die dort bei den Startseiten der jeweiligen Wahlberatungswerkzeuge gelistet werden. Bei der „Entscheidungshilfe für die Europawahl“ ist das eine stattliche Liste. Was haben die davon? Welchen Einfluss hat das auf den Wahl-O-Mat?

Wenn ich dann noch lese, was das bpb zum Wahlprogramm der AfD schreibt, nämlich „Sie will das in ihren Augen undemokratische EU-Parlament abschaffen, …“, einem Bericht der „Welt“ zufolge jedoch vom Wal-O-Mat der AfD neuerdings eine „neutrale Position“ gegenüber Europa zugeordnet wird, bekomme ich erhebliche Zweifel an der Belastbarkeit der Einschätzungen. Wenn keine solide Recherche das Ergebnis bestimmt, sondern das, was die Parteien „positionsoptimierend“ im Wahl-O-Mat als ihre Haltung ausgeben, ist das „Informationsangebot“, das der Wahl-O-Mat bieten will, mindestens tendenziell, womöglich zweifelhaft.

Da ich mich selbst als Europäer mit Pro-europäischer Haltung verstehe, erklärt sich mir damit, warum eine Partei mit dem Slogan „Europa ist uns egal!“ bei meinen Wahl-O-Mat-Befragungen immer sehr weit vorne auftaucht. Der Vergleich ist auf jeweils acht vom Nutzer zu bestimmende Parteien beschränkt, womit keinesfalls gewährleistet ist, dass der „Topkandidat“ darin enthalten ist. Das bleibt verborgen, es sei denn, man macht sich Arbeit.

Was wahrscheinlich kaum einer macht

Ich bin spontan klickend durch den Wahl-O-Mat gegangen und habe meine Auswahl ohne Gewichtung ausgewertet. Für alle wahlbeteiligten 40 Parteien. Die für je acht Parteien erzeugte Ausgabe des Wahl-O-Mat habe ich mit Photoline zu einer Komplettauswertung montiert (s. Bild, dass hier in Originalgröße betrachtet werden kann).

Das Resultat fand ich interessant, denn dort laufen unter diesen Bedingungen Parteien in den Top10 auf, die ich bisher nie in „meinen acht“ aufgenommen hatte. Beim Durchlesen der Informationen zu diesen Parteien beim bpb sah ich mich zwar darin bestätigt, bin jedoch verwundert, wie die das so weit nach Vorn schaffen, wo sie doch beim Lesen ihrer Programme tendenziell deutlich weiter hinten rangieren müssten.

Einerseits könnte es natürlich an der Auswahl der gestellten Fragen liegen. Streckenweise beschleicht mich das Gefühl einer thematischen Beschränkung. Andererseits ist das Parteienfeld trotzdem außerordentlich dicht gedrängt. Bemerkenswert finde ich, dass bei diesem Spontantest die NPD fast am Ende nur knapp hinter der FDP liegt und im Ranking dennoch deutlich die AfD schlägt Die selbst ernannten „Volksparteien“ schaffen es gerade mal ins Mittelfeld.

Das „Durchklicken“ aller Parteien geht recht fix mit der „Zurück“-Funktion des Browsers. Damit lässt sich ohne dass dafür wie hier ein Bild nötig ist schnell ermitteln, ob es einen bisher unentdeckten „positiven Ausreißer“ gibt, für den ein Blick in die angebotenen Kurz-Profile des bpb Klarheit schaffen kann, ob das womöglich eine Alternative zum bisherigen Wahlverhalten sein könnte.