Operation Hurricane

Es klingt militärisch, es war militärisch und es war furchtbar. Am 14. Oktober 1944 startete „Operation Hurricane“, eine Angriffswelle auf deutsche Städte, die Deutschland demoralisieren und in die Knie zwingen sollte. Eine der Städte war Braunschweig. Vor 70 Jahren, in der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober 1944, ging das historische Braunschweig in einem verheerenden Bombardement der Royal Air Force unter.

Braunschweig war für die Alliierten ein privilegiertes Angriffsziel. Hier bündelten sich einige sehr kriegswichtige Produktionen und Forschungseinrichtungen, die Braunschweig auf Platz 3 der Top-Angriffsziele brachte. Weil es für die Nazis so wichtig war, wurde es entsprechend geschützt. Was einige Versuche vor dem 15. Oktober 1944 für eine endgültige Zerstörung vereitelten.

War es Menschenverachtung, Ingnoranz, Überheblichkeit oder — wahrscheinlich — eine Kombination aus allem: Jedenfalls wurde Industrie, Militäreinrichtungen und Wohnstätten in Braunschweig derart eng verzahnt, dass ein Luftschlag auf Militäreinrichtungen eigentlich schwere zivile Verluste nach sich ziehen musste. Allerdings war die Zahl der Opfer dieses Angriffs vergleichsweise niedrig. Das lag wohl daran, dass die Braunschweiger aufgrund der hohen Angriffsfrequenz wussten, wie sie sich verhalten mussten.

Außerdem hatte Braunschweig gegenüber anderen Städten den Vorteil, dass es über viele hochmoderne Bunker verfügte, die dem Angriff trotzen konnten, viele davon stehen sogar heute noch. Viel mehr blieb jedoch nicht; nach dem Krieg war die Innenstadt nahezu vollständig, die Randbereiche rund zur Hälfte zerstört. Braunschweig gilt als eine der am schwersten im zweiten Weltkrieg zerstörten Städte.

Die Idee der Alliierten, dass Braunschweig auf Dauer unbewohnbar sein sollte, erwies sich als Fehleinschätzung. Am 17. Juni 1946 wurde mit dem Aufräumen angefangen, 1963 war man damit — weitestgehend — fertig. Wobei es bis heute Nachwirkungen gibt, denn 2005 wurde beim Wiederaufbau des Schlosses eine Fliegerbombe gefunden, die eine umfangreiche Evakuierung erforderlich machte.

Eine Sorge in England war, dass eine derartige Vernichtung mit einem Feuersturm, der in Braunschweig fast drei Tage dauerte, eine Versöhnung unmöglich machen würde. Interessanterweise scheinen die Deutschen da weniger nachtragend als die Engländer. Wer schon mal in London war, versteht wahrscheinlich sofort, was ich meine1.

Dass man uns die braune Nazischeiße damit herausgebrannt hat, findet im Grundsatz meine uneingeschränkte Zustimmung. Ob es derart massiv hätte sein müssen weiß ich nicht. Aber die Alliierten mussten in ihrer Verzweiflung etwas tun. Der Zeitgeist war martialischer, im Ergebnis hat es funktioniert. Vielleicht wäre es mit weniger Opfern und Zerstörung möglich gewesen, aber das ist eine akademische Frage, denn es hilft den Opfern und Betroffenen nicht. Wir — damit meine ich über Braunschweig hinaus „die Deutschen“ — haben einen sehr hohen Preis gezahlt. Es bleibt nur die Hoffnung, dass wir uns sehr, sehr, sehr lange daran erinnern und die richtigen Lehren daraus ziehen.

Quellen: Operation Hurricane, Bombenangriff auf Braunschweig