Nemesis

So schnell kann aus einem Messias ein Judas werden.

Vor weniger als einem Jahr war Martin Schulz der Manna-Bringer der SPD, die ihn mit einem donnernden Hossianna zum Retter des auserwählten Volkes ausriefen. Er versprach das Paradies, gebratene Tauben würden durch die Lüfte fliegen und er würde sie alle dorthin führen. Keinesfalls werde er einen Pakt mit dem Teufel eingehen.

Doch der Teufel ist eine Frau1. Der hat ihm – mit viel Glück zwar, doch das gehört zum Spiel – sein erstes Versprechen ordentlich verschwefelt. Statt hoch in den Wolken nähert sich sein Volk den Nebenschwaden des Grauens. Das Fünf-Prozent-Gebirge taucht schemenhaft am Horizont auf.

Trotzdem blieb er – kurz – standhaft.Doch als im klar wurde, dass er mit seinen Versprechen vor allem selbst große Nachteile hätte und nicht nur sein Volk sondern vor allem er in die Bedeutungslosigkeit versinken könnte, warf er alle Versprechen über Bord und legte sich zum Teufel ins Bett.

Nach heftigem, schmerzhaftem, blutigem Rudelbums rückten die Beteiligten das verbliebene Haupthaar zurecht und predigten ihren jeweiligen Anhängern, es werde ein Kind geboren mit dem Gesicht des Predigers. Also Drillinge.

Weil es im Bett so kuschelig war, ihm sein Volk bei der letzten Versammlung das tosende Hossianna verweigert hatte und erste Zweifler seinen Heiligenschein als untergehende Sonne hinter ihm identifizierten, dachte er sich: Mal ist man der Baum, mal ist man der Hund und verkündet, dass er seinen Inthronisator meucheln werde. In diesem Zug will er gleich noch die Messias-Kutte abstreifen, die – mittlerweile für jeden ersichtlich – viel zu groß für ihn war. Die Kutte will er statt der üblichen 40 Silberlinge seiner gefährlichsten Jüngerin überstreifen, damit sie ihm die Stiefel lecken möge.

Er räumt ein, er sei kein Messias, er könne seine Versprechen unmöglich halten. Ob so jemand eine gute Wahl dafür ist, anderen Völkern der Erde Versprechen zu geben und damit sein gelobtes Land gedeihlich in der Welt vertreten kann, muss sich erst weisen. Denn seine Wandlung vom Messias zum Jünger des Teufels weckt beim Fußvolk Argwohn. Genau das könnte sein Nemesis werden. Denn das hat erkannt, dass aus dem goldenen Kalb keine Milch fließt, deshalb wird von Tribunen geworben, das als wertloses Blechteil entlarvte Teil vom Sockel zu stoßen.

Sein Name könnte ein Omen sein. Der „Schultheiß“ (da kommt „Schulz“ her) war ursprünglich der von den Bauern aus ihrer Mitte gewählte Dorfpolizist. Der war jedoch weisungsgebunden an seinen Gutsherrn sowie der Gunst seiner Wähler ausgesetzt, die ihm bei Fehltritten gnadenlos fallen ließen.

Mal schauen, wie „Schulzes Bauern“ Anfang März entscheiden.


  1. Damit hier kein Missverständnis aufkommt: das ist dem Bild geschuldet, in dem ich mich bewege und bezieht sich auf Herrn Schulz. ↩︎