Nachtrag zum Frauentag

Gestern war in Berlin erstmals der Frauentag ein offizieller Feiertag. Dabei gibt es objektiv wenig, dass sich feiern lässt.

Am 8. März ist internationaler Frauentag.Die Bilder und Berichte in den Nachrichten zeigten im Großen und Ganzen keine Neuigkeiten. Frauen verdienen weniger, Frauen werden die Erfolge aberkannt, Frauen leisten häufig die doppelte Arbeit, – kurz: Frauen haben die Arschkarte.

Da wurden keine fröhlich sich selbst feiernde Frauen gezeigt, sondern welche, die für ihre im Grundgesetz verankerten Rechte protestieren. Das wurde vor über 70 Jahren im Westen ausgerufen. Mir fehlt die Kenntnis, ob es vergleichbares im Osten gab, doch ist dort das Selbstverständnis der „in der Zone“ sozialisierten Frauen ein anderes. Was regelmäßig „im Westen“ sozialisierte Kerle an ihre Grenzen bringt. Die Tatsache, dass eine Frau aus der Uckermark die erste deutsche Kanzlerin wurde, ist wohl das bekannteste Beispiel.

Wenn im Brandenburger Supermarkt – der massiv vom Feiertag in Berlin profitiert – Blumen an einkaufende Frauen verschenkt werden, ist mir unklar, was der Konzern damit ausdrücken möchte. Für einige männlichen Begleiter war es der Nackenschlag, noch mal schnell in den Markt zu laufen und einen „Blumenstrauß“ für 2 Euro zu kaufen. Die waren auffallend griffgünstig im Eingangsbereich platziert. Ein solides Kosten-Nutzen-Verhältnis für den Betreiber. Bei einigen Beschenkten erzeugte die Geste ein logistischen Transportproblem. Wer links und rechts schwere Taschen trägt, kann schlecht einen dornenbesetzte Rose im Mund halten, wenn „der mitgeführte Kerl“ beide Hände für sein Mobiltelefon braucht.

Die Politik hat natürlich ebenfalls wieder gemahnt, hält sich ansonsten aber aus der Sache raus. Warum es kein Gesetz gibt, mit dem Firmen bestrafbar wären, die für gleiche Arbeit unterschiedliche Löhne zahlen, erklärt niemand. Würde jemand nachfragen, würde das sicher als „Eingriff in die Tarifautonomie“ abgelehnt. Ja – die ist ebenfalls im Grundgesetz verankert, im Rang jedoch deutlich weiter hinten als „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dabei wäre das eine durchaus logische Folgerung aus dem Grundgesetz. Bei der sehr ausgeprägten Gesetzgebungsfreude unserer Abgeordneten ist dieser seit Jahrzehnten herrschende Mangel unerklärlich. Außer, dass es Männer mehr Geld kosten würde und diese Männer keine Männer mehr mit Wahlspenden unterstützen würden, die für „sowas“ eintreten.

Da werden lieber Gesetze erlassen, dass mehr Frauen in Vorstände müssen. Das ist überschaubarer. Weil es angeblich wenige Frauen gibt, die da hin wollen, bleibt die Stelle halt leer. Was es den richtigen Kerlen im Vorstand noch einfacher macht, maskuline Entscheidungen durchzusetzen. Wie stark sich politisch verantwortliche Männer für Gleichberechtigung einsetzen, spiegelt der Bundestag. Mit aktuell weniger als einem Drittel Frauenanteil. Dort wurde bemerkenswerterweise erst vor Kurzem einen Antrag auf eine Frauenquote im Parlament abgelehnt. Ungeachtet der in den 1990ern nachgetragenen Ergänzung im Grundgesetz, dass die Gleichstellung kein Papiertiger sein soll, sondern in der Realität umgesetzt werden muss.

Vielleicht sollten die Frauen von politischen Entscheidern – egal ob angetraut, Gespielin oder Dienstleisterin – sich mit Ihren Geschlechtsgenossinen solidarisieren und einfach so lange die Beine übereinander schlagen, bis die Kerle einknicken. Sex sells.

Ich bin kein Freund von Quoten. Weil sie in diesem Fall den Beigeschmack von „ohne die wär die da nie“ haben können. Doch ich muss einräumen, dass sie wohl erst einmal als Maßnahme zur „Waffengleichheit“ erforderlich sind. Kann man ja wieder abschaffen. So in weiteren 70 Jahren, die es bei der aktuellen Geschwindigkeit wohl leider dauern wird. Oder noch länger, wenn sich der Rechtsdrall verstärkt. In diesem Weltbild gehören Frauen an den Herd.

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