Merkur vs. Meer

Wir fliegen für Erkundungen zum Merkur, obwohl wir keine Ahnung haben, wie es vor unserer Haustür aussieht.

Wir haben keine Ahnung, wo er schon war Heute Nacht wurde eine Sonde Richtung Merkur losgeschickt. Ab 2025 soll damit ein Nachbar­planet genauer ausgespäht werden. Dabei müssten wir für Unerforschtes nur vor die Tür gehen. Wir haben zwar Karten vom Mond und Mars, bei unseren Weltmeeren wissen wir im Vergleich dazu nur einen Bruchteil.

Wir nutzen sie sehr intensiv. Was auf den Weltmeeren und Gewässern los ist, lässt sich live verfolgen. Wie es darunter aussieht, ist dagegen weitestgehend unklar. Etwa 5% der Weltmeere sind tatsächlich erforscht. Da unsere Meere einen Großteil unseres Planeten ausmachen, bedeutet das im Umkehrschluss, dass wir im Grunde keine Ahnung von dem Planeten haben, auf dem wir leben.

Natürlich ist es spannend, etwas über die Nachbarplaneten herauszufinden. Doch bloß weil etwas in Reichweite ist, ist es keineswegs unspannend. Im Gegenteil. Es hat unser besonderes Interesse verdient. Statt mir einen Hund aus Ungarn oder sonst woher holen, wäre mein erster Gang ins örtliche Tierheim. Elend gibt es überall. Mag sein, dass es in der Ferne etwas elender ist als hier, doch die durchschnittliche Relation zur jeweiligen Umgebung dürfte in den meisten Fällen weitestgehend gleich sein.

Diversen Tieren in anderen Ländern geht es mutmaßlich deshalb im Vergleich schlechter als Artverwandten im mit Dosenfutter überversorgten Deutschland, weil dort Menschen leben, die froh wären, wenn sie eine Dose Hunderfutter hätten. Das wäre ein Festtag. Fleisch! Die würden es vielleicht sogar lieber sehen, wenn statt des ausgemergelten Straßenköters eines der Kinder eine Chance im gelobten Land der Deutschen bekäme. Füttern mit Hundefutter wäre völlig in Ordnung – damit wäre das Kleine besser versorgt als zu Hause.

Der Forscher- und Helferdrang blendet gern das Unterstützens- oder Erforschenswertes direkt vor den Füßen aus. Deshalb sind wir dann völlig überrascht, wenn wir genau dort eine Menge Probleme entdeckten, die bei uns selbst anfangen. Wenn wir beispielsweise die Plastiktüte für das Hundefutter im Mariannengraben entdecken. Vielleicht ist das der Grund für eine Reise zum Merkur: da liegt von uns noch kein Müll rum. Jedenfalls bis 2025.

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