Mehr Wert?

Streit mit Waffen ist so ziemlich das Dümmste, was es gibt. Denn am Ende verlieren alle, ganz besonders die, die nichts dafür können und die Schwächsten.

Aktuell brodelt es an diversen Stellen, wobei wir in Deutschland unser Blickfeld — jedenfalls medial — auf zwei Stellen reduzieren. Die Ukraine, weil es irgendwie Nachbarn sind, sowie Israel, weil unsere Nation den Juden gegenüber auf ewig Schuld auf sich geladen hat.

Dass ich daraus keine Rechtfertigung für Israel auf Rücksichtslosigkeit ableite, hatte ich bereits erwähnt. Dass eine Horde Vollpfosten in Gaza mit ihren Raketen gen Israel für den israelischen Terror in Gaza verantwortlich sind, übersehe ich keineswegs. Ich bin jedoch außerordentlich sicher, dass es für die Menschen die zwischen Kugeln und Explosionen leben, relativ egal ist, wer den Mist losgeschickt hat. Wer drin sitzt empfindet das als Terror. Sowohl in Gaza als auch in Israel.

Womöglich haben die Israelis jetzt ihren eigenen Mann mit den Maßnahmen, die ihn retten sollten, umgebracht. Das wird sicherlich eine andere Darstellung in den Medien bekommen („laut Armee“...). Aber das erste was im Krieg stirbt, ist die Wahrheit. Wieviele bei der Suche nach ihm gestorben sind, ist offenbar keine Erwähnung wert.

Womit sich mir die Frage stellt, welches Leben welchen Wert hat im Krieg. Wäre der junge Mann einfach so gestorben, wäre er allenfalls in der Statistik aufgetaucht. Weil er — womöglich — als Faustpfand (für was auch immer) verwendet werden sollte, war er plötzlich ein Mensch mit Namen und Familie.

Wenn jetzt „laut Armee“ der kurzzeitig traurig Berühmte ein ganz normales Kriegsopfer ist, wirft das ein echt fieses Licht auf die damit gerechtfertigte Suche. Auffällig sind die praktisch aufs Wort gleichlautenden Berichte über das, was passiert sein soll. Die Kontrolle über die veröffentlichte Information ist zentrales Kriegselement. Denn das entscheidet über die Meinung der Zuschauer.

Wenn dann irgendwo eher beiläufig steht, dass es bisher mehr als 1600 Tote bei den Palästinensern gab und 63 auf der Gegenseite, hat es eine perverse Note, wenn dabei noch unterschieden wird, dass es bei den Palästinensern „mindestens 80% Zivilisten“ sind. Das sind Statistiken, die letztendlich nur Stimmung machen. Für was und wen auch immer.

Denn wenn an anderer Stelle steht, dass bisher 3 Zivilisten von insgesamt 63 getöteten in Israel gezählt wurden, könnte man das auch anders schreiben:

  • Israel hat eine günstigere Todesquote bei den Zivilisten. Sie liegt bei gerade einmal 4%, womit die Effektivität der Armee eindrucksvoll dokumentiert ist.
  • Das Tötungsverhältnis der beteiligten Soldaten beträgt etwa 1:5 zugunsten Israels.
  • Israel gelingt mit seiner Armee ein besserer Schutz der Bevölkerung, wobei ein hoher Preis bezahlt wird. Ein toter Zivilist steht 20 toten Soldaten gegenüber. Die Hamas muss dagegen lediglich einen Soldaten für vier Zivilisten beklagen, was einen gewissen Interpretationsspielraum bzgl. der jeweiligen Interessen der Kriegsgegner eröffnet.

Mit Zahlen lassen sich herrlich perverse Spielchen treiben und zwischen den Zeilen einiges transportieren. Da kann schnell der Eindruck erweckt werden, bestimmte Leben seien mehr wert, als andere. Allerdings ist es für Getötete ziemlich binär: tot ist tot. Ich bin der Meinung, jede(r) Getötete ist einmal Elend zu viel. Egal auf welcher Seite.