Medialer Fischmarkt

Gestern hat mal wieder mutmaßlich durch rechtsnationales Gedankengut verblendeter Schwachkopf Menschen sinnfrei bedroht und getötet. Und dank medialer Sensationsgeilheit sein Ziel erreicht.

Ihr Lieben „offiziellen“ Medien:

  • Es ist mir scheißegal, wie dieser Vollpfosten heißt. Namen haben nur Menschen, denen man respektvoll begegnet. Diesem Typ gebührt keiner.
  • Es gibt keinen Grund, diesen Spacko in eine Reihe mit anderen seiner Art zu stellen, weil ihr damit seine und deren Schandtaten aufwertet.
  • Warum schreibt ihr drehbuchartig detailliert auf, was der nächste Strunz aus diesem Lager als Blaupause nehmen könnte?
  • Wozu räumt ihr seinen verwerflichen und inakzeptablen Gründen so viel Raum ein, bei denen anderen mit mentalem Vakuum insgeheim Freude empfinden können, dass es „denen“ mal einer „besorgt“ hat?
  • Warum feiert ihr diese „Volksfeinde“ – weil sie es sind! – jedes Mal aufs Neue mit einer wiederkehrenden Litanei, wann wer was wie getan hat?
  • Weshalb bekommen diese Geisteskranken eine minutiöse Berichterstattung, mit der ihre Tat aufgewertet wird, was Sorgen und Ängste schürt, also deren Ziel dient?
  • Erspart uns die Hysterie, dieses „Erster sein wollen“ mit irgendwelchen aufgeschnappten Informationen, die völlig sinnfrei hochgeputscht und wieder und wieder in Endlosschleife abgespult werden – weil ihr eigentlich keine Ahnung habt, was tatsächlich gerade passiert.
  • Stellt bei Interviews wenigstens intelligente Fragen, seid Journalisten und keine suggestiven Einflüsterer und Meinungsmacher.
  • Fragt euch mal, wie es euch dabei ginge, wenn ein Rudel Medien vor eurer Tür stünde und in breiter Öffentlichkeit vorzugsweise über die berichten, die euch etwas angetan haben und ihr, die Opfer, nur „gute Bilder gebende Staffage“ seid.

Das sind die Tage, an denen das Internet ein echter Fluch ist. „Früher“ haben Journalisten Fakten recherchiert, sortiert, kontrolliert, hinterfragt und dann einen möglichst objektiven Artikel in ruhigem Ton geschrieben, der in den Druck ging. Heute geht es bei der Berichterstattung zu wie auf dem Fischmarkt. Alle brüllen los und wollen die lautesten mit den dicksten Fischen sein. Und geben damit diesen armseligen Würstchen eine Bühne, die ihnen keinesfalls gebührt.

Wenn ihr in diesem Kontext unbedingt mit irgend etwas vergleichen müsst, dann erinnert an die Mutigen, die Besonnenen, die solche Situationen für die Gesellschaft erträglich oder sogar glimpflich gemacht haben. Vor allem: widmet euch den Opfern statt der Täter.

Das Bild ist von Pixabay.