Man trifft sich zum Essen

Jobbedingt flattern regelmäßig Teilnahmeangebote für diverse Veranstaltungen ins Haus. Ich muss gestehen, dass ich da immer seltener interessiert bin und noch seltener teilnehme. Denn da sind immer die gleichen Gesichter, immer die gleichen Geschichten und im Grunde sitzt man halt da, weil man seinen Teilnehmerstatus waren will. Fahne hochhalten und ein bisschen schwenken. Als Entschädigung gibt es dann ein üppiges Buffet, an dem man sich dann gemeinsam bedient, aber letztendlich dann doch wieder mit denen zusammengluckt, die man etwas besser kennt.

Networking wäre nämlich sowas wie ein Datenpaket, dass an jedem Netzknoten vorbeifliegt und wenigstens mal Hallo sagt. Genau das habe ich allerdings noch nie bei so einer Veranstaltung gesehen. Würde wohl auch meistens den Rahmen sprengen, denn bei 100 Leuten, die sich einigermaßen leidlich miteinander beschäftigen wollen — ich sag einfach mal fünf Minuten pro Gespräch — wären dass 500 Minuten, also rund ein Arbeitstag als persönliche Vorstellungsrunde. Da bleibt dem Veranstalter nicht viel Zeit für die Präsentation seiner Ziele. Wobei das eh wurscht ist, denn das hat er ja meist schon vorher per Post getan.

Selbst bei kleineren Gruppen, z.B. 20 Teilnehmern, sind die fünf für jeden schon ein echter Veranstaltungsstopper. Die werden ja gern in der Form da stellt sich dann mal jeder kurz vor reihum am runden Tisch abgehandelt, der Informationswert ist aber meistens schlechter und langatmiger als der Aufruf der Webseite, auf der sich ein Mitarbeiter vorstellt. Allenfalls bekommt man mit, dass der oder die lange nicht so eloquent ist, wie es die Webseite suggeriert.

Dass es letztendlich ums Essen geht, es zumindest einen außerordentlichen Stellenwert hat, lässt sich an der Dokumentation von solchen Veranstaltungen erkennen. Da gibt es mal ein Bild von einem Referenten, dann mal ein Bild von der Runde und dann rudelweise Bilder vom Buffet, mal als Totale, die Details und Leute, die sich ordentlich was auftun. Wenn ich mir dann die Kosten einer solchen Veranstaltung für mich als Teilnehmer vor Augen führe (Zeit, Reisekosten), relativiert sich der Wert solcher Veranstaltungen deshalb ziemlich brutal. Lecker Essen bekomme ich um die Ecke günstiger und mit weniger Zeiteinsatz. Die Infos, die ich brauche, bekomme ich besser und effizienter im direkten Gespräch mit einer Person, vorzugsweise bei ihr oder bei mir oder sonstwie. Jedenfalls nicht unbequem stehend in einer Horde anderer, denen es nicht besser geht, im Grummelgrummel mehr oder minder oberflächlicher Gespräche, immer mit einem Auge auf der Umgebung, wer denn da womöglich zuhört und ob mir das überhaupt recht ist.

Da lass ich mich doch lieber zu einem ehrlichen Sommer- oder Sonstwas-Fest einladen, bei dem gar nicht erst so getan wird, als ginge es um Arbeit. Bemerkenswerterweise bringt diese ungezwungene Atmosphäre dann häufig mehr Erkenntnisse, als die letzten drei Treffen auf Tagungen zusammen.