Letztens, auf einem Bildschirm

Vermeintliche Wahrheiten wiederholen sich und sorgen dafür, dass sich die Generationen misstrauisch beäugen. Während die Jüngeren den Vorteil der Ahnungslosigkeit genießen, steht sich die Älteren regelmäßig mit gesammelten schlechten Erfahrungen selbst im Weg.

Alter macht keineswegs automatisch unflexibel. Es macht weiser.Da schlendert man interessiert und neugierig über die Leipziger Buchmesse, erfreut sich an den liebevollen Verkleidungen vieler Besucher der Manga-Comic-Con, die an die Buchmesse angegliedert ist. Zwar sind einige Kostüme hervorragend zum nachhaltigen Erschrecken von Mitmenschen geeignet. Doch die Kostümierten, die in großer Vielfalt teilweise maximal gegensätzlichen Philosophien präsentieren, sind trotzdem offen und freundlich zueinander, unterhalten sich, haben gemeinsam Spaß. Geht also, wenn man andere so nimmt, wie sie sind und die das genauso halten.

Ob es dort in der Halle war oder einer anderen, ist mir leider entfallen. Doch ein recht großer Monitor präsentierte interessante Aussagen1, ergänzt um statistische Werte, die indirekt jeden Leser folgern lassen und in Kontrast dazu stehen:

  • Alles, was es schon gibt, wenn du auf die Welt kommst, ist normal und üblich.
    • 17% der Deutschen sind jünger als 15 Jahre.
  • Alles, was zwischen deinem 15 und 35. Lebensjahr erfunden wird, ist neu, aufregend und revolutionär.
    • 23% der Deutschen sind zwischen 15 und 35 Jahre.
  • Alles, was nach deinem 35 Lebensjahr erfunden wird, richtet sich gegen die natürliche Ordnung der Dinge.
    • 64% der Deutschen sind älter als 35 Jahre.

Ich tue mich zwar schwer mit Generalisierungen, doch Fakt ist: „Wünsch dir was“ gibt's im Fernsehen. Wir sind hier bei „So isses“. Es spielt keine Rolle, dass es viel komplexer ist und ich da mehr Elastizität erwarte. Ich werde mit so einer Ausage in eine Kiste gesteckt.

Wobei ich und viele weitere meiner Generation es schlicht mit Roger Murtaugh halte: manchmal bin ich einfach zu alt für diesen Scheiß'. Ein Erkenntnisgewinn, der sich aus Erfahrung speist.

So manches, dem ich in der Jugend zugejubelt habe, wird aus gutem Grund bestenfalls noch bei Wikipedia als Kuriosum oder Verirrung (m)einer Generation geführt. Diverses findet selbst dort keine Erwähnung mehr.

Den Rückmeldungen meiner Umwelt folgend, gelte ich für mein Alter als außergewöhnlich neugierig auf Neues. Aufgrund der vorhandenen Erfahrung bin ich lediglich in der Lage, recht zügig die kürzeste Verbindung zwischen drei Punkten dafür zu finden. Dann mache ich malen nach Zahlen, sprich: ich hake es ab. Daher überrascht mich die Absolutheit der letzten These, wenn ich mir den Twitter-Account des (mutmaßlichen) Autors, Jahrgang 1972,ansehe. Denn dort scheint es, dass er trotz seines Alters Spaß daran hat, wenn die „natürliche Ordnung der Dinge“ durcheinander gerät.

Daher möchte ich speziell diese letzte These etwas differenzierter betrachten. Aktuelle Ideen und Erfindungen richten sich keineswegs gegen die natürliche Ordnung der Dinge. Wie früher schon und sicher auch in Zukunft ist bei allem Neuen schlicht eine Menge Bockmist dabei. Ab 35 weiß man das. Genauer: sollte man das wissen.

Das Bild stammt von Pixabay.


  1. Als Quellenangabe stand „#PROFSKI“ dran – ob das wirklich von ihm stammt, ist mir unbekannt. ↩︎