Lady Goodforeverything

Ursel an die Waffen, dann haben wir alle was zu lachen. Oder auch nicht. Es ist jedenfalls bemerkenswert, was diese Frau alles zu können glaubt. Oder man ihr zutraut. Demnächst wird es einfacher, wenn man aufzählt, was sie noch nicht als Amt inne hatte. Womöglich dient die stetige Bewegung, in der sich diese Frau bei der Ämterrotation befindet, allerdings einem völlig anderen Zweck. Je länger jemand für etwas verantwortlich zeichnet, desto schwieriger wird es, dem Vorgänger oder Nachfolger — je nachdem, was komod ist — Probleme anzulasten, die sich aktuell nicht lösen lassen. Oder nicht gesehen wurden. Mal schauen, was Ihrem Nachfolger im Bereich Arbeit und Soziales auf die Füße fällt.

Es hat etwas Nuttiges, wenn man es mit jedem (Amt) macht. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass eine Besorgungsdame dabei immer bei ihren Kernkompetenzen bleibt, wären sich die bei wechselnden Ministerämtern teilweise erheblich unterscheiden. Während Ursel im Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Kinder schützen sollte, muss sie jetzt den Müttern und Vätern ihre Töchter und Söhne als potentielle Kriegsopfer abschwätzen. „Im Krieg töten sich die, die sich nicht kennen, auf Befehl derer, die sich kennen, aber nicht töten“, sagte schon Erwin Rommel. Und der musste es wissen. Gegensätzlicher könnten Anforderungen kaum sein.

Das berüchtigte Schild, das alles lösen sollte

Und Tante Ursel mittendrin. Da freuen wir uns schon ganz doll auf die markigen Worte, die wir von ihr bei all ihren neuen Ämtern in der Anfangsphase gewohnt sind. Es sei hier nur exemplarisch an Zensursula und ihr Kampf gegen Kinderpornographie erinnert. Schild davor stellen als Lösung. Wir können also hoffen, dass sie diesen Worten ebenso wirkungsvolle Taten folgen lassen wird, wie in den bisherigen Jobs, also keine. Als Kriegsministerin Leute zum sich Totschießen lassen schicken — mal sehen, wie Lady Goodforeverything das geregelt bekommt. Weil das sind dann Fakten, die sich nicht schönreden lassen. Besonders toll ins Bild setzen kann man sich vor Särgen auch nicht, egal wie schön der Blumenschmuck darauf ist. Außerdem liegen tote Soldaten in Kisten unter Fahnen und werden — allein schon aufgrund des Kostendrucks — nicht auf Rosen gebettet.

Nach den Reden kommen die Bilder. Ursel mit Blechhut in grünem Schlabberlook. Wobei sie natürlich den Aspekt der modischen Note von Uniformierung aufgreifen könnte. Da kann sie jedenfalls mutmaßlich keinen Flurschaden anrichten. Dass man Taliban durch den rassigen Schnitt der Uniform von weiblichen Rekrutinnen die Schamesröte ins Gesicht treiben und so in die Flucht schlagen könnte, wäre jedenfalls mal was Neues. Allerdings haben es die Gegner im afganischen Hinterland mit ihren weiten Klamotten da deutlich einfacher als die männlichen Rekruten. Da bekäme strammstehen womöglich eine völlig neue Bedeutung im Corps. Wie Ursel das wegsteckt, pardon, verarbeitet, wenn die Jungs vor ihr strammstehen, werden Teleobjektive einfangen. Wenn die Wangen zarte Röte bekommen, ist dann jedenfalls geklärt, dass ihr die Nummer, ..., nochmal Pardon, die Aufgabe Spaß macht.

Ich bin jedenfalls weniger gespannt, wie sie sich anstellt. Vielmehr bin ich schockiert, wie offen und schamlos hier von Frau Merkel und Frau von der Leyen reiner Machterhalt praktiziert wird. Ich hoffe, die Damen haben wenigstens soviel Anstand und meiden das Wort Kompetenz bei den Erklärungsversuchen für diese Berufung, so es sich als ernst gemeint herausstellen sollte, was leider befürchtet werden muss.