Krisengewinnler

Beim Blick in den Spam Ordner bekomme ich eine Idee, wohin die gehorteten Klopapier-Rollen sowie geklauten Schutzmasken verschwunden sein könnten. Andere Viren-Trittbrett-Fahrer werden erst auf den zweiten Blick erkennbar.

Als es mit den Beschränkungen los ging, brach – zumindest bei mir – das Spam-Aufkommen signifikant ein. Für einen kurzen Moment dachte ich schon, dass „der Virus“ den Netz-Bazillen vielleicht den Garaus macht. Was natürlich ein völlig naiv-verträumter Anflug von Weltferne war.

Das war der „Umstellungsknick“. Statt dem üblichen Schwachsinn sollen jetzt mit Appellen an die Urängste Geschäfte angebahnt werden. Wobei ich sicher bin, dass es sich bei den Meisten um Einseitige handelt: „Vorkasse“ ist keine Gewähr für den Erhalt von Ware.

Spätestens beim Impressum, vor dessen Ortsangaben selbst Google-Maps kapituliert oder in unwegsame Einöden verweist, sollten klar Denkende ins Grübeln kommen. Gelegentlich werden Adressen genutzt, die bei Google nach Geschäft aussehen. Soweit es keine dummen Betrüger sind, wird bei genauerer Betrachtung damit jedoch ein mutmaßlich ehrenwerter Geschäftsmann diskreditiert, bei dem Betrogene vorstellig werden wegen Unterschlagungen von Menschen, die davon Betroffenen sehr wahrscheinlich völlig unbekannt sind.

Bestürzenderweise gibt es tatsächlich Naivlinge, die noch einen drauf legen, zwecks Protest zur „Firmenandressen“ fahren. Die versauen mit ihrer eigenen Dummheit anderen Leuten den Tag, wollen sie dafür in die Pflicht nehmen, dass sie die eigene vernachlässigt haben.

Dabei entlarven sich Nepp-Nachrichten größtenteils bereits am holprigen Deutsch – wenn sie überhaupt in Deutsch verfasst sind. Wobei Twitter et alii den Verdacht aufdrängen, die Betrüger begeben sich damit womöglich lediglich auf das allgemeine Sprachniveau.

Die Hirnströme setzen bei einigen offenbar spätestens beim Appell an die „Geiz ist Geil“-Mentalität aus. Sensationelle Rabattpreise – mindestens 50% – für Ware, die den Medien zufolge gerade Goldbarren den Rang ablaufen. Mit einem IQ oberhalb einer Amöbe sollten die Glockentürme Sturmläuten.

Allein die Wahrscheinlichkeit, Krisengewinnler bescheißen damit überdurchschnittlich viele dumme, asoziale Egomanen befriedigt mich etwas. Diejenigen, die an ihrer Lebensangst verzweifelnd ihren Verstand ausschalten, weshalb sie auf solche Nachrichten hereinfallen, tun mir aufrichtig leid. Doch wirklich helfen kann diesen Mitbürgern sowieso niemand. Wer generell Angst vor dem Leben hat, für den sind gerade wirklich harte Zeiten.

Diese Mitmenschen sollten am Besten alle Informationen außerhalb der anerkannt seriösen Medien igorieren, bis sich die Lage irgendwann wieder etwas entspannt hat.

Leider entpuppen sich sogar die „seriösen Medien“ als verkappte Krisen-Profiteure. Eine Sondersendung jagt die andere ohne dass objektiv für die Zuhörer/-seher im halbstündigen Takt relevante Änderungen einträten. Wenn das ZDF sich mantra-artig befleißigt auf die „komplett neu gestaltete App“ hinzuweisen, mit der „morgens und abends“ die neusten Statistiken auf das Mobilgerät kommen: wem hilft das – außer dem Sender, der damit auf Kundenfang und -kontrolle geht?

Mag ja sein, dass es schlichtere Gemüter beruhigt, wenn selbst „Stars“, genauer: Solche, die von den Sendern dazu gemacht werden, weil sie keine „Richtigen“ vor die Linse bekommen, mit den gleichen Problemen kämpfen wie alle anderen. Frei nach dem Motto »geteiltes Leid ist halbes Leid« wechseln sich die Nachrichten über den Alltag mehr oder minder (Un)Bekannter ab, womit die Sendezeit sehr preiswert gefüllt werden kann.

Aus meiner Sicht missbrauchen Medienvertreter damit das ihnen gewährte Recht auf Bewegungsfreiheit, das „den anderen“ genommen wurde. Was den Zweck der Maßnahmen konterkariert. Der Vorsorge vorgaukelnd über das Mikrofon gezogene Butterbrot-Beutel macht die armselige Überflüssigkeit der Befragungen nur deutlicher. Der Wechsel des Mikrofon-Präsers vor jedem Interview halte ich für ziemlich unwahrscheinlich – was nötig wäre, wenn er nur annähernd den suggerierten Zweck erfüllen soll.

Im Gegensatz zu Schutzmasken gegen Tröpfchen-Infektion anderer durch mich, geht es hierbei bestenfalls um einen Anflug von Selbstschutz. Wer will schon eine zig-fach angeseuchte Mikrofon-Tülle mit sich herumtragen.

Wobei … – in „Viren-freien Zeiten“ ist das der Normalfall. Befragten wird sonst das zig-fach angesabberte ungeschützte Mikro direkt unter die Nase gehalten. Hier entlarvt sich die Heuchelei für den eigenen Nutzen: Weitestgehend substanzlose Nachrichten, die als relevant verkauft werden.

Gegen die Quotengeilheit der „seriösen Medien“ ist selbst der Coronavirus machtlos.

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