Jung und gelangweilt

Wie langweilig muss das eigene Leben sein, wenn es ständig neue extreme „Kicks“ braucht, um sich wohl zu fühlen?

Bei den Reisereportern liest es sich wie ein vermeidbarer Unfall. Dabei war es absehbar, dass da Selbstmörder unterwegs sind, die sich für ihre Lebensmüdigkeit feiern lassen. „High on Life“ klingt für mich ein bisschen nach Drogen für Leute mit panischer Angst vor Nadeln.

Wer sich wiederholt mutwillig hochriskanten Aktionen aussetzt, allein damit eine „Fangemeinde“ einer abgeht, weil es (vermeintlich) bei den Bekloppten abgeht, hat keinen Respekt vor dem eigenen Leben. Das hat nichts mit Lebensfreude oder intensiver Leben zu tun. Das ist einfach nur dumm.

Dass nun „Freunde“ auch noch einen Spendenaufruf starten, damit die Beerdigung bezahlt werden kann, offenbart, wie kurzsichtig die Truppe unterwegs war. „If you can you should“ ist eines der bescheuertsten Mottos, die ich jemals gehört habe. Denn grundsätzlich kann jeder alles. Zumindest einmal.

Wie doof die Truppe war, verrät der Umstand, dass sie ihre eigene Empfehlung ignorierten: „nicht nachmachen!“. Schlauer wäre gewesen: „nicht vormachen“. Dann wären sie womöglich zwar etwas gelangweilter, allerdings hätten sie noch mehr Zeit, das ein oder andere spannende anzuschauen. Man muss ja nicht unbedingt über marode Brücken laufen, von Klippen springen, etc. um sich lebendig zu fühlen. Davor stehen und es geil finden hat mir zumindest immer gereicht.

Ich räume ein, dass sich das schlechter in einem YouTube-Video darstellten lässt und die „Fangemeinde“ dann überschaubar klein bliebe. Doch die Spendensumme für die drei verrät, wie viel den Zuschauern das Ganze letztendlich wert ist: nicht mal einen Cent haben die Zuschauer im Durchschnitt für Ihre „Helden“ ausgegeben.

Für die war es ein billiger Spaß, die Akteure haben den maximalen Preis bezahlt. Da hilft „forever young“ kein Stück weiter. Denn morgen springt ein anderer Depp irgendwo runter und auch der wird den Zuschauern nur so lange die eigene Langeweile vertreiben, bis auch sie oder er sich umgebracht hat. Und vermutlich keiner der Zuschauer wird Blumen schicken und sich eingestehen, dass die eigenen Klicks der Grund dafür sein könnten, warum jetzt drei Menschen tot sind.