Im Neuen bleibt alles beim Alten

Ich mache mir an Neujahr gerne den Spaß und suche nach „Prophezeiungen“ und zwar zu denen für das vergangene Jahr. Für das Jahr 2013 Lässt sich Google nicht lange bitten. Leicht vorhersehbar ist, dass dabei Nostradamus weit vorn im Spiel ist. Und diverse christliche Unheilsbotschaften. Glauben lässt sich mit Angst einfach besser befeuern. Denn das ist eine der markanten Begleiterscheinungen. Überwiegend geht es um mehr oder minder umfangreiche Katastrophen. Da werden bekannte Menschen bedroht oder gleich umgebracht, es bricht mindestens eine mittelschwere Seuche irgendwo aus. Naturkatastrophen gibt es selbstredend ebenfalls.

Das faszinierende ist die Tatsache, dass die meisten Seher ja systematisch jährlich tief ins Klo greifen, aber nicht ansatzweise merken, wie sehr die Hand stinkt. Ich habe das nicht weiter verifiziert, aber bei „scullyvanfunkel“ hat jemand ein paar Prophezeiungen zusammengestellt. Zugegeben: Ich kenne keinen der dort zitierten Propheten, aber die Trefferquote dürfte bei nahezu allen — bekannt oder unbekannt — mehr oder minder identisch sein. Besonders mutig ist natürlich die Vorhersage am Jahresanfang von „Nikki“, Prince William und Kate werden Eltern von mindestens einem Kind (eventuell Zwillinge), wenn schon klar ist, dass Kate schwanger ist. Fünflinge oder ein Alien, das wäre mal was gewesen. Oder wenigstens das Geschlecht? „LaMont “Monte” Hamilton“ nutzt dafür seine 50:50 Chance und haut sauber daneben.

Einige der Sachen sind offenkundig das Ergebnis eines mehr oder minder geglückten Selbstversuchs mit Drogen. Andere gutes Wahrscheinlichkeitsraten, wobei selbst da eine weite Spanne ist, an der es die meisten zerlegt. UFOs sind die Dauerbrenner, gesehen haben wir 2014 wieder nix, selbst so Irdisches, wie ein Amazon-Handy gab es 2013 dann doch nicht. Wobei es bereits 2012 vorhergesagt war. Immerhin wird Ähnliches ziemlich genau ein Jahr später erneut berichtet. Ich denke, wer heute auf amazon bringt 2014 ein eigenes Handy heraus tippt, könnte richtig liegen. Wobei der Handelsblatt-Artikel1 in seinem letzten Satz die eigene Ansage relativiert. Das war wirklich vorausschauend!

Schaut man sich die Prognosen von Nostradamusdem  Seher — an, genauer: die Interpretation seiner kruden Verse, passt maches. Wobei die entsprechende Interpretation mit ein wenig Allgemeinbildung und Interesse am Weltgeschehen gar nicht so überraschend sind. Wobei selbst das nicht reicht, den es geht noch reichlich am Tatsächlichen vorbei. Für 2014 wird erklärt, warum es bisher nicht geklappt hat (Kurz zusammengefasst: wir haben Nostradamus halt noch immer nicht richtig verstanden) und deshalb mit dem Zukunftraten und in Sprüche reininterpretieren weitergemacht. Frei nach dem Motto irgendwann muss es ja mal passen.

Im Impressum der Nostradamus-Seite(n) zeichnet eine Frau „Lachenmayer“ verantwortlich. Der Name Mayer kommt von Meier ist sinngemäß eine Art Verwalter oder Betreuer. Da verwaltet also jemand das Lachen. Das nenne ich sehr hintersinnig. Im Gegensatz dazu wünsche ich aufrichtig euch allen ein erfolgreiches 2014. Möge dich Macht mit euch sein!


  1. Der Artikel wurde — so mein Eindruck nach kurzem überfliegen — fast Wortgleich ebenfalls von „Die Welt“ am selben Tag publiziert. ↩︎