Im entscheidenden Detail gleich

Wie eigentlich jedes Jahresende sterben Große der Bühne oder des öffentlichen Lebens. Kann sein, dass man es in dieser Zeit auch etwas stärker als im „Restjahr“ wahrnimmt, aber ich empfinde das so. Udo Jürgens und Joe Cocker prügeln sich jetzt posthum um die Nachruf-Spitzenplätze in den Gazetten. Schlechtes Timing, ganz anders als auf der Bühne. Zumindest bei diesen Beiden.

Mich würde interessieren, was wohl los wäre, wenn es Ebola gewesen wäre, das Udo oder Joe dahin gerafft hätte. Womöglich hätte es das Engagement „dagegen“ ähnlich beflügelt, wie es die berühmten Aids-Opfer in den Achtzigern taten. So überschatten zwei Berühmtheiten, die ein wahrscheinlich vergleichsweise angenehmes, ausgefülltes und im Vergleich langes Leben hatten, den tragischen Tod von Tausenden.

Die hätten wahrscheinlich schon ohne Ebola keine Chance auf 70 oder 80 Lebensjahre gehabt. So einen elenden Tod sollte aber niemand sterben müssen. Jetzt werden die Betroffenen noch zu „Versuchskaninchen“ der Pharma-Industrie, die endlich mal jemanden zum Ausprobieren hat. Armut hat durchaus Vorteile. Zumindest für Leute, die wissen, wie sich daraus Kapital schlagen lässt.

Natürlich ist das eine Extrem-Situation und es ist sicher besser, irgend etwas statt gar nichts zu versuchen. Wer Ebola hat, für den ist jede noch so kleine Chance besser als keine. Mich würde lediglich interessieren, ob die Firmen zwar gern den Ruhm einstreichen dürfen, aber das Mittel dann zu Ehren aller, die sich dafür geopfert haben, zukünftig kostenfrei oder zumindest bezahlbar zur Verfügung stellen.

In einem ganz anderen, signifikant untragischeren Feld, habe ich vor ein paar Tagen einige sehr markante Sätze gelesen:

Open-Source ist immer dann stark, wenn Technik-Geeks für andere Technik-Geeks Anwendungen programmieren. Bei Datenbanken, Webservern und Content-Management-Systemen konnte freie Software beachtliche Marktanteile erobern. Sobald benutzerfreundliche und an den normalen Anwender gerichtete Software gefragt ist, wie bei der Bildbearbeitung, wird es bei Open-Source zappenduster.
Quelle: Glosse: Professionelle Bildbearbeitung unter Linux? Theoretisch schon!

Für mich persönlich keine echte Neuigkeit, wobei das so absolut formuliert, nicht ganz stimmt. Es gibt z.B. LibreOffice, dass recht erfolgreich ist. Allerdings basiert das auf OpenOffice das wiederum auf der sehr erfolgreichen Kaufsoftware StarOffice baisert. Erfolg erfordert Geld. Von nichts kommt nichts, war so, ist so, wird immer so sein.

Bemerkenswert ist der Grabenkampf, den solche ein Artikel auslöst. Dass genau dieses „du bist bäh!“ eines der wesentlichen Hindernisse für den Erfolg von Open Source darstellen, wollen in diesem Lager offenbar viele nicht kapieren. Die es kapiert haben, sind interessanterweise erfolgreich.

Wer sich jetzt fragt, was Ebola mit Open Source zu tun hat: Eigentlich nichts und dann doch eine ganze Menge. „Man“, genauer: „wir“ müssen nur ein bisschen aufeinander zugehen und ein bisschen ab- oder nachgeben, wenn etwas „besser“ werden soll. Und das wird es dann für alle.