Hopp vs. Merz

Wird aus dem Volk der Dichter und Denker das Volk der Hasser und Neider? Wo ist der Anstand und die Vernunft hin?

Mir sind diverse Zeitgenossen zuwider. Diverse würde ich kaum vermissen, wenn sie aus den Schlagzeilen raus wären oder einfach weit von meinen eigenen ihre Kreise zögen. So frage ich mich beispielsweise, warum die ewige Nummer 2 Friedrich März die CDU zum dritten Mal aufmischt. Ein Relikt aus einer Zeit, in der gerade Leute wie er uns in eine satte Krise manövriert haben.

Mit seinen teilweise unverhohlenen sexistischen Sprüchen, seiner Ignoranz gegenüber Veränderungen, seiner Rückwärtsgewandtheit, seinem offensiven Interesse an den Interessen derer, die Geld haben, vor allem seine allein auf Behauptungen aufbauenden Fähigkeiten, für die er keinerlei Praxis nachweisen kann, schwingt er sich zum Möchtegern-Führer auf.

Genau das müsste er sein, wenn er den Anderen fatatlistischen Demagogen die Wähler abspenstig machen will. Immerhin haben einige seiner Partei-Genossen bereits erkannt, dass fischen mit sehr dediziertem Köder dazu führt, dass bisher sehr erfolgreich geangelte Fische diesen widerlich finden und bei anderen Anglern anbeißen. Bisher hat „Friedrich! Friedrich!“ außer Schaumblasen und diskrete Lobby-Arbeit für das Großkapital kaum etwas vorzuweisen, was „dem Volk“ oder seinen Huldigern zugute gekommen wäre.

Wer sich in einem Atemzug als Millionär bezeichnet, aber lediglich „zur gehobenen Mittelschicht“ zählt, hat für mich fragwürdige Maßstäbe, die den Zujublern offenkundig entgangen sind.

Ganz im Gegensatz zu einem, der sich sein Kapital selbst erarbeitet hat und ohne dass er dazu verpflichtet wäre, seinen Mitmenschen erhebliche Teilhabe daran gibt. Er finanziert ungezählte soziale Projekte und halt auch ein spleen­iges Hobby – einen Fuß­ball­verein. Den hat er mit seinen wirt­schaft­lichen Mög­lich­keiten sehr erfolgreich gemacht. Was beweist, dass Erfolg zum und vom Erfolg kommt. Also konzeptionell vergleichbar zum FC Bayern oder den Dortmundern.

Dass sich gerade in diesen Vereinen „Fans“ daran stören, dass mit Geld und Willen einiges erreicht werden kann, ist irritierend. Denn gerade in ihren Vereinen wurde doch allein mit Geld und Willen alles erreicht. Das sind womöglich auch noch genau die Klientel, die Schaumschlägern wie Herrn Merz zujubeln, während sie Leistungsträger wie Herrn Dietmar Hopp verteufeln. Was eine deutlich verzerrte Wahrnehmung erkennen lässt.

Denn der eine ist erwiesenermaßen in eigener Sache unterwegs und schmarotzt sich mittels seiner Kontakte im Polit-Zirkus durchs Leben, während der andere ein Unternehmen mit Weltruf aus dem Boden gestampft hat und trotzdem nie vergessen hat, wo er her kommt und dass es andere gibt, die weniger Glück oder schlicht weniger Geschick oder Möglichkeiten als er hatten. Im Gegensatz zu Herrn Merz belustigt ihn das in keiner Weise – er tut stattdessen etwas dagegen.

Abstruser kann es für meinen Geschmack kaum noch werden: Looser, Eigenbrödler und Egoisten bejubeln, Fähige, echte Leistungsträger, sozial Engagierte, niedermachen. Ist die Allgemeinbildung und vor allem der Geschichtsunterricht in deutschen Schulen zwischenzeitlich wirklich so schlecht, dass von diesen mich stark befremdenden Zeitgenossen keiner präsent hat, wohin das führt?

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