Helene F.

Ich bin kein Fan. Doch vor Leistung habe ich Respekt. Bei Forbes in die Top Ten kommen ist gewaltig. Und das als Einwanderin.

Musik kann verbinden Ich muss einräumen, dass mich Schlager tendenziell und meistens gruselt. Es ist eine Musikform, deren Repertoire mir mit wenigen Ausnahmen körperliches Unwohlsein verursacht. Das Oeu­v­re von Frau Fischer ist mir daher weitestgehend unbekannt. Aus reinem Interesse am Phänomen Helene F. gestartete Versuche, zur Erweiterung des Horizonts mittels Sichtung reichlich verfügbaren Materials, musste ich wiederholt vorzeitig abbrechen. Doch die wenigen Minuten, die ich jeweils durchhielt, ließen keinen Zweifel. Frau F. ist durch und durch Profi, ihr Erfolg einem Präsentationsniveau geschuldet, das mir von keinem anderen deutsch-sprachigen Künstler bekannt ist.

Einwänden „da ist doch aber…“ möchte ich direkt entgegen halten: „und warum ist nur sie in der Listen von Forbes?“ Wie belastbar die sind, sei dahin gestellt. Sie sind zumindest bedeutend genug, dass sich die Presse atemlos drauf stürzt. Für mich ist „Atemlos“ ein Synonym für akustische Folter. Doch es ist offenbar der Grundstein eines grandiosen wirtschaftlichen Erfolgs.

Wobei der Titel – soweit ich durchhalte, ihn mir anzuhören oder anzusehen – technisch und handwerklich den Erfolg nachvollziehbar macht. Das ist „groß“, auf dem Niveau der US-Stars produziert. Einfach, weil sie es offensichtlich kann und entsprechend hart dafür arbeitet.

Sie macht einen hochprofessionellen Job und beweist, dass es keineswegs zwingend nötig ist, auf Englisch zu singen. Es ist „auf gut Deutsch“ möglich, in die Superliga aufzusteigen. Was in englischsprachigen Raum erkennbar Irritationen auslöst (s. Wait, Who Is Helene Fischer?). Ich bin gespannt, wie diese „Ehrung“ den Erfolg von Frau Fischer beeinflusst. Denn „so viel Kohle mit Schlager“ – das schreit förmlich nach Boykott und Shitstorm aus der Sozial-Neid-Ecke.

Ich hab' es gerade mal wieder versucht (s.o.), doch ich scheitere weiterhin daran, z.B. „Atemlos“ mal vollständig anzuhören. Ja, sie kann singen, ja sie kann performen ja ich gönne ihr den Erfolg. In meiner Playlist wird sie dennoch weiterhin fehlen. Doch amüsiert es mich und dafür zolle ich ihr meinen Respekt, dass ausgerechnet Helene Fischer die amerikanische Presse aufmischt und das Interesse auf referred to as "schlager." lenkt. Die haben ja auch reichlich Country-Stars in den Umsatz-Charts – mit deutschen Texten geht deren Musik anstandslos als „Schlager“ durch.

Typisch amerikanisch wird anerkannt, dass sie gegen alle Widerstände mit harter Arbeit diesen Erfolg erreicht hat. In einem signifikant kleineren Markt, gegenüber den anderen Umsatzgrößen in der Liste. Wobei gleichermaßen ein gewisses Unverständnis gezeigt wird, wie das funktionieren konnte – mit einem Freund who looks good in lederhosen.

Ein Hoch auf eine deutsche Tugend. Dabei ist „unsere Helene“ zu allem Überfluss gar keine richtige Deutsche, wie mit dem Verweis auf Ihren Geburtsort irgendwo in Sibieren angemerkt wird. So erfolgreich kann Integration sein. Ein Paradebeispiel dafür, dass Einwanderer für das Leben von vielen Eingeborenen außerordentlich bereichernd sein können. Man muss sich nur auf sie einlassen. Dann ist deutsch sein weniger eine Frage des „wo her“, sondern eine Frage von „wo gemeinsam hin“.

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