Haste ma ne App?

Probleme werden mit Apps gelöst. Jedenfalls ist das der grundlegende Ansatz bei vielen Fragen, die sich täglich Menschen rund um den Globus stellen. Die wichtigste und allgegenwärtige App „Hirn benutzen“ gerät dabei häufig unter die Räder.

Ich gestehe, dass ich beim Mobil-Telefon ebenfalls in App-Kategorien denke. Allerdings nehme ich mir dann doch etwas Zeit für eine Prüfung. Damit will ich mir eine Installations- und Deinstallations-Origie ersparen. Als Alternative zum herumprobieren — mit dem entsprechenden Zeiteinsatz — , ob ich mit dieser Anwendung klar komme und sie tut, was ich will. Dabei setzte sich für eine konkrete Anforderung die „Hirn benutzen“-App durch.

Der Reihe nach.

Nach der Installation von Lollipop auf meinem Smartphone hatte ich ein Hintergrundbild im Sperrbildschirm, dass zwar farbenfroh, aber eben „nicht meins“ war. Normalerweise ist mir soetwas relativ egal. Weil ich auf diesem Hintergrund die Pin-Eingabe so schlecht erkennen konnte, hat es mich heute Morgen wiederholt genervt. Weil am „Tag der Arbeit“ nicht gearbeitet wird, hatte ich die Zeit der Frage nachzugehen: wie bekomme ich da ein anderes Bild hin?

Die Suchanfrage „Lollipop Lockscreen ändern“ — eine schnelle Mutation anfänglicher Suchbegriffe — führte mich auf diverse Seiten. Mit mehr oder minder hilfreichen bis sinnfreien Hinweisen. Letztendlich endeten alle in der Empfehlung einer App. Geschaffen, damit man sich den Startschirm Lockscreen untertan mache.

Ich selbst habe es nicht so mit Apps. Auf meinem Telefon gibt es ca. 30 selbstinstallierte. Davon rufe ich ca. 20 - 25 selten bis fast nie auf. Sie vegetieren dort unter dem Gesichtspunkt „könnte man mal brauchen“ vor sich hin. Das Gros der Anwendungen liefert der Hersteller oder das Betriebssystem. Diese muss ich in diversen Fällen zähneknirschend akzeptieren. Weil sie unlöschbar sind, müsste ich tiefer einsteigen und das Gerät rooten.

Damit wäre ich dann selbst für die Systempflege verantwortlich. Was wieder Zeit und Nerven kostet. Zusätzlich bestünde das Risiko der Beschädigung inklusive Totalverlust. Da das Mobiltelefon für mich weder Spielzeug noch Status-Symbol, sondern ein Werkzeug ist, nehme ich es weitestgehend, wie es ist. Irgendetwas werden sich die Ingenieure dabei gedacht haben, wenn sie es genau so auf den Markt werfen.

Mag sein, dass sie dabei nicht unbedingt in jedem Fall in meinem Sinne gedacht haben. Wäre die Entwicklung in wesentlichen Zügen so, dass ich darin keinen Nutzen, Mehrwert, Spaß, wasauchimmer sähe, würde sich das kaum an die breite Masse verkaufen lassen. Genau die muss ein Unternehmen allerdings adressieren, wenn es ein Erfolg werden soll.

Dieses „die haben sich sicher was dabei gedacht“ brauchte mich auf eine weitere Frage: Wehalb sollten diese schlauen Menschen ausgerechnet ein wesentliches Individualisierungsmerkmal — den Bildschirm des gesperrten Telefons — bei den Konfigurationsmöglichkeiten vergessen? Das führte mich zur Frage, wo könnte das am zweckmäßigsten angeboten werden?

Nachdem diese Frage gestellt war, wurde es sehr einfach. Das „Telefon“ kann Bilder machen. Damit man sich die ansehen kann, gibt es eine Bildergalerie. Weil nur anschauen im digitalen Zeitalter viel zu wenig ist, kann man Bilder natürlich teilen, verschicken, ... — und als Hintergrund für den Startbildschirm setzen.

Zugegeben: Diese Funktion ist im Menü „Eigenschaften“ der Galerie übelst versteckt. Dort muss ich auf „Einstellen als“ klicken und entscheiden, wo ich das Bild nutzen möchte.

Diesen schlichten Bedienhinweis habe ich bei der Suche im Internet jedoch in keinem der Tipps und Tricks gefunden, die in der Suchliste vorn platziert waren. Weil ich selbst darauf gekommen bin, habe ich keine Zeit verwendet, ob der einfachste und beste Tipp eventuell irgendwo unter ferner liefen aufgetaucht wäre.

Leider bestätigt sich damit meine wachsende Wahrnehmung, dass wir uns zunehmend mit der Suche nach Lösungen anderer beschäftigen, statt unseren eigenen Kompetenzen zu vertrauen. Und uns dann auch noch einreden, dass wir besonders pfiffig seien, weil wir für ein (vermeintliches) Problem die passende App gefunden haben. Dieses Wissen teilen wir selbstverständlich. Dafür muss man sich nur eine passende App suchen,... .