Höhlenmalerei-Workshop

Der Frühling beginnt mit solide zweistelligen Minusgraden des Nachts und der erste Frühlingssonntag mit einer bizarren Veranstaltungsempfehlung im Radio.

Im ersten Augenblick dachte ich, meine Hirnwindungen seien etwas eingefroren. Wozu braucht ein Mensch des 21. Jahrhunderts einen „Kurs“ für Höhlenmalerei? Zur Steigerung technischer Fähigkeiten eher weniger, wenn die bekannten Steinzeit-Motive zugrunde gelegt werden. Deren Niveau durchbrechen zumindest mir bekannte 4-5 Jährige im Kindergarten im wahren Wortsinn „spielend“.

Allerdings richtet sich das Angebot auch an Erwachsene. Vielleicht geht es schlicht um die Rückführung zur Fähigkeit, mal was ganz Einfaches zu machen und sich aus­schließ­lich darauf zu konzen­trieren. Dafür setzen sich andere vor ein Bild und versuchen den Nagel, an dem es hängt, weiter in die Wand hinein zu denken, bis das Bild fällt.

Selbstgemalter Steinzeit-Speer Mir ist kein Fall bekannt, bei dem das mal geklappt hätte. Die Erfülltheit dieses Handelns stufe ich etwa genauso hoch ein, wie das erfolg­reiche Nach­zeich­nen der Waffe eines höhlen­be­mal­en­den Menschen, einem Speer.

Mag sein, dass mir der tiefere Sinn dieser Handlung ver­schlos­sen bleibt. Das Verstehen des Vergangenen ist fraglos hilfreich für die Zukunft, doch wie mich das Nach­ziehen von Höhlen­malerei in meiner Persön­lich­keit oder meine Kom­pe­ten­zen – gleich welcher Art – voran bringen könnte, ist mir unklar. Es gehört auf jeden Fall zu einer der Fragen, die nach diesem „Früh­stücks­arti­kel“ auf den Haufen der Dinge kommt, für die mir der Antrieb fehlt, sie wirklich verstehen zu wollen. Ich gebe mich mit meiner Ver- und Bewun­der­ung zufrieden, dass es Menschen gibt, die solche Ideen mone­ta­ri­sier­en und andere Menschen, die dafür Geld ausgeben. Ich ver­wer­fe solche „Geistes­blitze“ immer, weil ich meine Um­welt für zu intelligent dafür halte. Ich muss wohl umdenken.