Glatt heute

Bei Minus-Graden Fahrradfahren ist nicht sonderlich heldenhaft, wenn man angemessen bekleidet ist. Allerdings haben diese Temperaturen etwas heimtückisches in Verbindung mit Feuchtigkeit. Denn was für Autofahrer keine Herausforderung ist, wird für die schmalen Rad-Pneus schnell ein handfestes Problem. Es mangelt an Gripp. Wenn es nicht mehr greift, dann rutscht es. Mit den entsprechend unangehmen Nebenwirkungen für den Fahrradführer.

Ich habe wirklich aufgepasst. Aber da hatte ich absolut nicht mit einer glatten Fläche gerechnet. Wie glatt die war, hat sich nach dem eigentlichen Sturz gezeigt. Denn normalerweise macht es „Plopp“ und das war es. Nach dem „Plopp“ kam aber in diesem Fall noch ein „hui“. Das war das gleitende Überqueren von ca. 5 laufenden Metern Straße, schlicht der bis zum Fall vorherrschenden Bewegungsrichtung folgend. Was schön war, denn so lag ich nicht mehr mitten auf der Gasse. Darüber hinaus hat sich die Bewegungsenergie nicht in Form von eingerissener Hose oder Jacke (was extrem ägerlich gewesen wäre, da neu) verbraucht, sondern durch mehr oder minder elegantes Straßenwischen.

Es muss auf jeden Fall recht spektakulär ausgesehen haben, denn prompt eilten einige Passanten herbei, es hielt sogar ein Auto, — bemerkenswerterweise nur Frauen — und es wurde sich nach meinem Befinden erkundigt. Das war erfreulich gut, denn abgesehen vom Schreck und dem spontanen Abklopfen aller Glieder auf ordnungsgemäße Funktion, sowie kurzer Kleiderkontrolle, war lediglich der Scheinwerfer etwas verstellt. Ansonsten schien alles soweit ok, dass ich die Fahrt problemlos fortsetzen konnte, nachdem ich mich artig für die Aufmerksamkeit bedankt hatte.

Allerdings war der Aufschlag wohl doch etwas härter, als ich es im ersten Augenblick wahrgenommen habe. Schockadrenalin hat da wohl einiges weggedrückt. Jedenfalls wird der linke Arm proportional zum zeitlichen Abstand lahmer, ich tippe auf einen ordentlichen Muskelkater, denn ich konnte mich abstützen, genauer: ich habe es versucht. Interessanterweise schmerzt der linke Oberarm, am rechten kleinen Finger habe ich eine Schürfwunde, der Handschuh ist aber unversehrt. Wie auch immer das passieren konnte. Die Jeans zeigt deutlich, dass es ein Vollkontakt-Rutscher auf der linken Seite war, die Kontaktfläche ist deutlich mit Straßenschmutz markiert. Abstützen muss dagegen ganz gut geklappt haben, denn die Jacke hat nur einen vergleichsweise kleinen Schmutzfleck, vermutlich ist der entstanden, als ich den Ruhepunkt erreicht und abgekippt bin. Lange gerutscht bin ich darauf jedenfalls nicht. So gesehen in jeder Hinsicht Schwein gehabt.

Gibt es eigentlich Winterreifen für Fahrräder? Sollte ich eventuell mal drüber nachdenken…