Ganz schön groß

Als Tribut an die Augen wurde der Arbeitsplatz aufgerüstet. Der Weg war etwas steiniger als gedacht, doch jetzt sieht es richtig gut aus.

Im letzten Jahr hatte ich Stress mit meinen Augen. Das hat einige Erkenntnisse bestärkt. Nachdem die Augen sich wieder eingekriegt haben und mit mehreren Anläufen passende Brillen gefunden waren, stand die Frage im Raum, ob ein „Monitor-Update“ weiteren Zugewinn bringen könnte. Mein vieljähriger Begleiter, ein Dell U2713HM, war (und ist) zwar schon ein besseres Gerät. Doch subjektiv war mir – vielleicht aufgrund der neuen Brille – pixelig. Ist technisch bedingt nachvollziehbar und naheliegend, mich lenkte es ab.

Daher habe ich mich mit dem Thema UHD beschäftigt. Das war erzwungen, weil ich im ersten Anlauf einen Monitor mit mehr Pixeln auf gleicher Fläche erwarb. Das war grundsätzlich der richtige Ansatz, weil die dann kleiner sind und damit die Darstellung schärfer wird. Allerdings sind die Einstellungsmöglichkeiten unter Windows 10 – für meine Begriffe – suboptimal gelöst. Der Ansatz über die Skalierung ist nachvollziehbar, weil nur das vorhersehbare Ergebnisse auf allen möglichen Geräten erwarten lässt. Allerdings ist die gewählte Basis-Schriftgröße ein kerniges Problem. Bei geringeren Auflösungen ist das zweckmäßig, weil sie proportional größer sind. Bei höheren Auflösungen und gleicher Fläche wird es boshaft.

Ich habe das tapfer ausprobiert, der Monitor war gut, doch echte Freude wollte keine aufkommen. Ein geschätzer ehemaliger Kollege, mit dem ich mich weiterhin in regem Kontakt befinde, hatte aufgrund erzwungener Arbeitsplatzneugestaltung ein ähnliches Problem, jedoch drängender: aufgrund eines Arbeitgeberwechsels zeichnete sich der potenzielle Zustand „ohne Bildschirm“ ab. Für aktive, IT-affine Menschen ein beklemmender Gedanke. Den wischte er mit der Anschaffung eines 43"-Monitors weg. Das sind 43x2,54 Zentimeter Bilddiagonale (109,22cm), auf die sich die 3840 x 2160 Pixel der UHD-Auflösung verteilen.

Ich haderte. 43 Zoll, das ist verdammt groß. Allerdings passt er auf den Tisch und er war überraschend 100 € günstiger, als ich ihn mir nochmal ansah. Manchmal gibt das Schicksal Hinweise. Die spontane Bestellung war eine gute Entscheidung, denn eine Stunde später war der Preisvorteil wieder weg, er wurde sogar noch teurer als vorher.

Jetzt sitze ich vor 109,22 cm Bilddiagonale und bin begeistert. Der Schreibtisch sieht zwar wie nach einem Bombenangriff aus, weil der Monsterschirm eine komplette Reorganisation erzwingt und noch Lösungen für begleitende Herausforderungen wie z.B. die jetzt deutlich zu niedrige Arbeitsplatz-Lampe gefunden werden müssen. Allerdings kann ich nun bei normaler 100% Auflösung in den Windows-Einstellungen arbeiten und habe genau genommen vier HD (1920x1080)-Monitore auf dem Tisch. Ohne störendes Rahmenkreuz in der Mitte zwei nebeneinander und zwei darüber.

Die daraus resultierenden logistischen Probleme, wie z.B. die deutlich längeren Wege und das souveräne Anordnen der Fenster, die jetzt gleichzeitig bespielbar sind, habe ich mit einem Autohotkey-Skript entschärft. Dennoch hat es ein bisschen was von Tennis gucken, weil die Augen doch regelmäßig von links nach rechts und von unten nach oben schweifen müssen. Das dürfte jedoch durchaus gesundheitsförderlich sein, weil der bisher doch eher starre Blick auf die lächerlichen 27" jetzt einer spürbaren Dynamik weichen kann. Viereinhalb-DIN A4-Blätter nebeneinander in Originalgröße und noch reichlich Platz übrig – das ist ziemlich cool.

Der Dell-Monitor hat eine Auflösung von ca. 108 dpi, der jetzt erworbene Philips BDM4350 liegt mit ca. 104 dpi etwas darunter. Allerdings wird das Bild des Philips auf einem IPS-Display erzeugt – schwarz ist da wirklich schwarz. Offenbar hat sich die Display-Technik sichtbar weiterentwickelt, denn nur wenn ich ganz nah an den Schirm gehe, kann ich das Pixel-Raster ganz schwach erkennen.