Frohes Fest!

Das Beständige am Neuen ist, dass letztendlich meistens alles beim Alten bleibt. So freuen wir uns natürlich jedes Jahr auf Weihnachten, genauer: Auf die Beschenkerei, aber nüchtern betrachtet endet es für viele mutmaßlich in einer Umtausch-Schlacht nach den Feiertagen. Das, was die einen nicht wollen, werden die Anderen mit dem Geld kaufen, das im Umschlag überreicht wurde. Sicheres Schenken sozusagen, denn der Beschenkte hat es selbst in der Hand, was er mit dem überlassenen Geld anstellt. Wobei das Verschenken von Geld objektiv betrachtet außerordentlich unklug ist. Denn damit wird centgenau beschrieben, was einem die oder der andere wert ist.

Natürlich lässt sich am neuen Mobiltelefon, der Spielkonsole, oder was sich da sonst unter dem Lametta-überladenen Baum findet, ebenfalls eine Wertschätzung ausmachen. Auch stellt ein konkretes Geschenk ein gewisses Risiko dar, falls es tatsächlich als Überraschung geplant und nicht aus der Wunschliste des Beschenkten bei Amazon gekauft wird. Denn bei einer Fehleinschätzung hängt es von der sozialen Kompetenz des Beschenken ab, welchen weiteren Verlauf der Abend oder die kommende, vom Umfang her unbestimmte Zeit, womöglich nimmt. Aber zumindest nimmt man dem Beschenkten die Mühe, sich auch noch selbst um etwas kümmern zu müssen. Das Geschenk besteht dann darin, dass man ihm die Zeit des Beschaffens schenkt – Lebenszeit also, das wertvollste, was wir Menschen haben.

So manche Gabe ist bei genauerer Betrachtung zwar fraglos liebevoll gemeint, aber das meinen ist so eine Sache. Was bedeutet es denn, wenn Papa zum 20. Mal Socken geschenkt bekommt? Dass er selbst beim Sockenkauf zu modischen Abstürzen neigt? Obwohl eine Fußmaniküre wahrscheinlich die bessere Lösung wäre, damit seine in Jahren gestählte Hornhaut nicht jedes Jahr seine Socken durchrubbelt. Mutti will ihm die aber nicht schenken, weil die Susi vom Salon ziemlich genau dass ist, bei dem Papa die Hormon-Sicherungen durchbrennen. Wenn Mutti flotte Schlüpper von Papa bekommt, könnte das einerseits bedeuten, dass er Mutti noch heißer darin findet, es könnte aber auch eine dezente Andeutung sein, dass die Standardausstattung einfach derart abtörnt, dass er Handlungsbedarf sieht.

Bereits diese beiden Beispiele machen nachvollziehbar, weshalb es in der Feiertagszeit häufig gar nicht so besinnlich und vor allem nächstenlieb zugeht. Der signifikant angewachsene Ansturm auf unser Portmonee in Form von Spendenaufrufen, Straßenmusikanten und Bettlern appelliert geschäftstüchtig an unser soziales Gewissen, das in dieser Zeit eine erhöhte Sensibilität hat. Im Fernsehen werden wieder verstärkt Rasierer und Parfüm beworben, was die Interpretation nahelegt, dass diese Produkte im Rest des Jahres praktisch unverkäuflich sein müssen, wenn man sich dafür sogar die Werbung spart.

Bei alledem muss die Frage erlaubt sein, was daran festlich ist und uns froh macht. Es ist doch im Grunde Stress pur. Man will nicht der Arsch mit den blöden Geschenken sein, man will niemanden vergessen, allein der Gedanke an den vorhersehbar x.ten untragbaren Kulturstrick mit Diddl-Maus von Tante Marga lässt die Halsschlagadern schwellen – was hat das alles mit einem besinnlichen Fest zu tun? Natürlich hat so ein Anlass zum gegenseitigen Beschenken durchaus seinen Charme, die freie Zeit Drumherum ebenfalls, aber ich erlaube mir einen Hinweis auf die Chance, die der Wahnsinn bietet. Termindruck raus und nach Weihnachten gibt es für das gleiche Geld deutlich mehr, weil die Händler meinen, Vieles sei nach dem Fest nur die Hälfte wert. Aber nach dem Fest ist vor dem Fest – und das macht womöglich wirklich froh, weil Schnäppchen setzen Endorphine frei. Wer sein Weihnachten auf die Zeit zwischen dem 27.12. bis Jahreswechsel verlegt, könnte also wirklich ein frohes Fest haben.