Es tut uns leid

Es tut uns leid - Flyer der Telekom

Entschuldigung ála Telekom. Das ist sehr speziell. Vor kurzem hatte ich über meinen Totalausfall berichtetet. Dabei hatte ich ausgeblendet, welcher gigantische Papierberg von der Telekom bei so einer Umschaltung generiert wird. Ich habe die Briefe und die darin enthaltenen Blätter nicht gezählt, der Tisch war jedenfalls übersäht mit Schreiben und Ratgebern.

Jetzt hat die Telekom noch eins draufgesetzt. Der nebenstehende Flyer kam mit einem — vermeintlich mich Briefmarke versehenen — weiteren Schreiben. Da dachte ich mir noch: Naja Mädels und Jungs von der Telekom. Entspannt euch. Wenn ich an meinen ersten Telefonanschluss denke, lief doch alles in Lichtgeschwindigkeit ab. Da hatte ich allerdings noch nicht aufgeklappt. Denn danach habe ich erst mal nach Luft geschnappt. Unser Blumengruß für Sie. Prangte mir da in weißen Lettern auf dem Telekom-Rosa entgegen. Dass ich Leistungen in Top-Qualität erwarten darf. Als eine kleine Geste des Dankes schicken wir Ihnen einen Blumengruß, stand da dann noch. Und ich fragte mich, seit wann drogensüchtige Praktikanten bei der Telekom Werbemaßnahmen entscheiden dürfen. Denn nur im farbenfrohen Delirium eines halizunogenen Rauschmittels kombiniert mit jugendlicher Unbekümmertheit kann man sich so ein Brett zum Dagegenlaufen ausdenken.

Flyer der Telekom

Die Blumen für den Blumengruß muss ich mir nämlich selbst ziehen. So sieht es der Flyer vor. Die Bastelanleitung auf der Rückseite der Samentüte ist detailliert. Zwischen April bis Mitte August aussähen, aber nur in gut vorbereitetem Gartenboden und mit sonniger Lage. Nicht tiefer eingraben, als die Samen selbst dick sind, leicht andrücken, mit Erde bedecken, angießen und das im Abstand von 25x25 cm. Nicht vergessen, die verblühten Blumen abzuschneiden.
Da will sich jemand Entschuldigen und schickt mir statt dessen ein Arbeitspaket, für dass ich noch reichlich Platz, eigenes Material und noch mehr Zeit aufwenden soll. Zeit, die mir durch die Verzögerung beim Anschluss bereits unwiederbringlich gestohlen wurde. Jetzt soll ich noch mehr davon hinterher werfen.

Das ist schon ziemlich dreist und kann sich nur jemand in einem Großkonzern ungestraft ausdenken. Vor allem wurde da offenbar das dem Prozess innewohnende Risiko völlig vernachlässigt: Was halte ich wohl von dem Laden, wenn die gammeligen Samen meinen Platz und meine Zuwendung erfahren, aber dann einfach keinen Bock auf keimen, wachsen und blühen haben? Da setzt die Telekom fraglos darauf, dass in Deutschland Waffen nicht frei verkäuflich sind. In den USA gab es schon aus weit nichtigeren Gründen Amokläufe mit reichlich Toten. Momentan bin ich geneigt, die Bande vor mir herzutreiben und im Herbst einen Beschwerdebrief mit etwa diesem Inhalt aufzusetzen:

Liebe Telekom!
Im April haben Sie bei mir einen Telefonanschluss eingerichtet und sich dabei ein bisschen trottelig angestellt. Dann haben Sie mir als „Entschuldigung“ einen „Blumengruß“ in Form einer Tüte Saatgut geschickt, das ich Treudoof auch noch nach Anleitung in den Boden gesteckt habe.
Jetzt stehe ich vor der Saatfläche, aber alles was da in den letzten Monaten gewachsen ist, war Unkraut. Oder waren das etwa Ihre Samen?

Bitte nehmen Sie von einer „Entschuldigung für die Entschuldigung“ Abstand. Denn wenn Sie sich steigern, möchte ich mir gar nicht ausmalen, was Sie mir damit womöglich antun könnten.