Elektromobilität durchgerechnet

Alle reden von Elektromobilität. Mir ist weiterhin unklar, wie das funktionieren soll.

Grundsätzlich begrüße ich die Idee einer „Energiewende“, mit der wir unsere Umwelt nicht mehr zugasen. Das wird jedoch nur klappen (= sich politisch durchsetzen lassen), wenn die bisherigen Bequemlichkeiten erhalten bleiben. Denn wir wollen sie nicht aufgeben, die sogenannten Schwellenländer wollen sie noch haben. Die Nebenfelder (Arbeitsplätze, Herstellerstandorte, Ressourcen, … ) betrachte ich erst gar nicht. Bereits ohne das wird es schwierig.

Beim Individualverkehr liegen wesentliche Gründe für den Erfolg des Autos klar auf der Hand:

  • Sehr gute Reichweite
  • Die Energie für eine „Streckenverlängerung“ lässt sich in wenigen Minuten unkompliziert nachfüllen mittels Tanken von Benzin
  • Die erforderliche Energie lässt sich problemlos selbst in unerschlossenen Gebieten bereit stellen

Dass die Reichweite von E-Fahrzeugen nicht so toll ist, ließe sich verschmerzen, wenn das „nachfüllen“ von Strom vergleichbar schnell ginge, wie mit Benzin. Ein dafür erforderliches Verfahren ist nicht in Sicht. Daher finde ich Forderungen der Grünen, dass „demnächst“ nur noch Elektroautos zugelassen werden sollen oder die Quotenidee von Herrn Schulz ziemlich kurz gesprungen. Da hat Frau Merkel eine passende Antwort rausgehauen: „nicht durchdacht“. Wobei sie eine Lösung schuldig bleibt – als Physikerin womöglich wohlüberlegt.

Nachfolgend unterstelle ich einfach mal, wir hätten eine „schnelle Technologie“ zum Laden der Autos und es gäbe ein flächendeckendes Netz von „E-Tankstellen“.

Ich gehe ebenfalls davon aus, dass der Individualverkehr wenigstens auf dem aktuellen Niveau bleibt, weil der Ausbau von öffentlichem Nahverkehr stockt bzw. sich (mit Ausnahmen) eher im Rückbau befindet. Es bleibt damit weiterhin bei bis zu 40 Mio. Menschen, die täglich Mobilität benötigen. Wenn davon 66% das Auto benutzen, sind das 26,4 Mio. Autos, die jeden Tag im Mittel 40 km fahren. Das nehme ich für dieses Rechenmodell vereinfachend an der Unterkante an.

Tägliche Fahrleistung deutscher Pendler : 10.560.000.00 km

Für diese Strecke ist Energie erforderlich. Weil E-Motoren keine verbrauchen, wenn sie im Stau stehen, unterstelle ich einen gemittelten Verbrauch von 5 Litern Benzin auf 100km. Ein Liter Benzin hat eine Energie von ca. 8,5 kWh. Dass ich die höhere Energiedichte von Diesel dabei ausblende (ca. 10kWh/l), liegt an dem unbekannten Anteil von Dieselfahrzeugen und unterstellten, mir ebenfalls unbekannten Effizienzvorteilen von der E-Motoren.

Täglicher Spritverbrauch: 5.280.0000 l
Täglicher Energieaufwand: 448.800.000 kWh =
449 Gigawattstunden pro Tag

Da ist das eigentliche Problem. Unsere Kraftwerke produzieren aktuell eine abrufbare Spitzenlast von ca. 100 Megawatt. Selbst wenn wir alle Atomkraftwerke weiter laufen lassen, alte Kohlekraftwerke reaktivieren und die Republik mit Windgeneratoren pflastern fehlt immer noch reichlich „Saft“.

Selbst wenn sich der Energiebedarf der Elektroautos – wie auch immer – halbieren ließe, fehlt aktuell und absehbar die dafür erforderliche Gigastromquelle. Selbst wenn es sie gäbe: wie kommt der Strom von dort an die Tankstellen? Dafür sind unsere Stromnetze weder ausgelegt noch mit vertretbaren Aufwand und Materialeinsatz auslegbar. Das wären gigantische Kabel mit exorbitanten Strahlungsfeldern. Der Begriff Elektrosmog müsste neu definiert werden.

Dass wir neben den Pendlern noch öffentlichen Verkehr, LKWs (mit Strom???) und die ganz normalen Verbraucher haben, auf die wir schwer verzichten können/wollen, spielt in dieser Größenordnung eh keine Rolle mehr. Denn das, was wir aktuell als Spitzenwert bereithalten, ist nur ein Bruchteil der erforderlichen Energie für den feuchten Traum der vollständigen Elektromobilität.

Es würde mich nicht wundern, wenn sich die Autohersteller insgeheim doch wieder intensiver mit Wasserstoff beschäftigen. Der lässt sich mit Tankfahrzeugen transportieren, die vorhandene Infrastruktur lässt sich darauf umrüsten und es bleibt beim Verbrennungsmotor, was wichtig für die Arbeitsplätze der Republik ist.