Eine Frage des Respekts

Manchmal dauert es eine Weile, bis klar wird, warum Dinge anders gelaufen sind als erwartet oder anders laufen, als sie es sollten.

Diese Woche hatte ich ein befremdliches Gespräch. Da erzählt mir jemand, dass er Flüchtlingen Deutsch beibringt. Das klingt erst mal interessant. Doch dann kommt die Keule. Die seien meistens so doof, dass sie erst mal lernen müssen, wie herum der Bleistift festgehalten werden muss. Eine Ergebnis­beur­teilung fände keine statt, es wäre also egal, was der Kurs brächte. Daher würde er „denen“ ordentlich Feuer machen. Selbst verheiratet mit einer Ausländerin zieht er das Resümee, die AfD habe recht damit, wenn am Ende die Ausländer an allem schuld seien. Deshalb habe er sie auch gewählt.

Hossa. Ich fand es äußerst bemerkenswert, wie da jemand die Grundlage dessen angreift, dass seine Famile und ihn ernährt. Es bestätigt mich darin, dass der Erfolg der AfD augenscheinlich wesentlich darauf gründet , dass viele ihrer Anhänger (und politischen Vertreter) keine Lust haben, die Dinge mal etwas weiter gefasst zu betrachten.

Wie absurd „schlichte Weltbilder“ werden, wenn Flücht­linge ausgerechnet dem Arbeit geben, der sich darüber echauffiert, dass er „bei denen“ keine Chance sähe, dass „die“ jemals integriert oder arbeiten würden. Die Frage welcher Arbeit er nachginge, wären keine Flüchtlinge da, habe ich mir verkniffen. Vorhersehbar wäre ein weiteres schlichtes Bild präsentiert worden, in dem ebenfalls nur ein klitzekleiner Ausschnitt fokussiert ist.

Nahezu zeitgleich hat sich mir erschlossen, warum in einem Unternehmen Gespräche unter Kollegen auf (scheinbar) unerklärliche Weise die Position von anderen Arbeitnehmer(inne)n oder Vorgesetzten schwächt. Nämlich dann, wenn die Schwäche einer Arbeitnehmerin und eines Arbeitgebers füreinander zu maximal möglichem Kontakten führt. Da werden dann neben Flüssigkeiten auch Informationen getauscht, die andere in unerfreuliche Zwangslagen bringen. Weil sich Informationsgeber „im Geheimen“ wähnen – so wie die Tausch­gemein­schaft.

Wie armselig ist es, sein Geld mit etwas zu verdienen, dass man für sinnlos hält?

Wie arrogant ist es, die Empfänger meiner Leistung für „zu dumm für mich“ zu halten?

Für körperliche und mentale Anziehung kann ich demgegenüber durchaus Verständnis entwickeln Doch es ist unangemessen, wenn sich heimliche Spielgefährten daraus Vorteile im Job zum Nachteil von Kollegen oder anderen Vorgesetzten verschaffen.

All das ist respektlos denen gegenüber, deren wichtigstes Gut missbraucht wird: ihr Vertrauen in die Aufrichtigkeit des anderen.