Ein wunderbarer Neger

Ein dahingeplapperter Spruch eines bayrischen Innenministers erregt so manches Gemüt. Das ginge ja wohl mal gar nicht, da wäre eine Gesinnung erkennbar, was auch immer da aufgefahren wird, damit die Aufregung hoch gehalten werden kann.

Bei n-tv wird getitelt, Hermann nennt Blanco „Neger“. Was — objektiv betrachtet — sachlich korrekt ist. Denn dass Schwarzer oder Deutscher afroamerikanischer Herkunft wirklich eine bessere Formulierung ist, würde ich nicht spontan unterschreiben.

Roberto Blanco, der schon mit seinem Künstlernamen einen subtilen Spaß mit seiner Hautfarbe treibt, kommentierte das selbst damit, dass Neger nicht zwingend ein Schimpfwort sein muss. Er regierte in einem Interview beim Tagesspiegel1 mit einer cleveren Retour-Kutsche:

Ich meine für Sie wäre es doch auch nicht schlimm, wenn ich sagen würde, Sie sind ein wunderbarer Weißer, oder?

Im weiteren Verlauf wird sehr deutlich, dass es darauf ankommt, wer ein Wort wie verwendet. Denn das ist letztendlich Sinn- und Bedeutung-gebend.

Vor allem lacht er sich mutmaßlich schlapp, weil ihm das unerwartete Aufmerksamkeit bringt. So gefragt wie in den letzten Tagen war er wahrscheinlich schon sehr lange nicht mehr. Der Mann, der einen CSU-Parteitag mal mit der Bemerkung Wir Schwarzen müssen zusammenhalten aufweckte, geht für meinen Geschmack so damit um, wie es angemessen ist: entspannt.

Das befremdliche in einem Wort entsteht durch die Gebrauchs- und Ausspruchsweise. Wenn Herrmann von einem „wunderbaren Neger“ spricht, schwingt im Kontext Wohlwollen und Zuneigung mit. Natürlich lässt sich „Neger“ ebenso negativ verwenden. Das gilt jedoch genauso für „Schwarzer“ oder „der Afroamerikaner“. Das sind im Grunde nur Wortspiele um das identische Thema: Klassifizierung eines Menschen. So wie der Chinese ein „asiatisch-stämmige Mitbürger“ ist. Oder „der Türke“ als „Orientale“ oder verschleiernd als „Südeuropäer“ durchginge.

Das ist Wortspielerei. Neger mag veraltet sein und im gängigen Wortgebrauch womöglich überwiegend negativ gemeint sein. Aber das gilt gleichermaßen für „Schwarzer“ oder sonstige rassistische Einordnungen.

Die Zuordnung zu einer Ethnie muss — per se — nichts Schlechtes haben. Wenn Herr Blanco sagt, dass er zeitlebens stolz auf seine Hautfarbe war, dann kratzt ihn der „Neger“ entsprechend wenig. Das hat dann eher etwas von einem Orden: Ja! Bin einer!

Herr Blanco hat es schön formuliert:

Wissen sie, niemand hat das Recht, andere Menschen zu beschimpfen, aber der Ton macht die Musik. Wenn man zum Beispiel zu einer Frau sagt, „du bist eine schöne Negerin“, dann muss das ja keine Beleidigung sein.
Wir haben so viele Probleme zur Zeit, ich weiß nicht, warum sich die Leute mit so etwas beschäftigen. Menschen sollen Menschen helfen, egal welche Farbe sie haben. Die Menschen, die im Moment fliehen, weil ihre Häuser zerbombt sind, die brauchen diese Hilfe jetzt1.