Ein durchwachsenes Jahr

Hinterher ist man immer schlauer bei Sachen, für die vorher kein Gedanke verschwendet wurde.

„Eigentlich“ ließ es sich gut an, das Jahr 2017. Wir waren in Birkenwerder angekommen, die Steuererklärung wurde prompt bearbeitet und – dann kam Trump. Der erste Dämpfer, denn ich war mal kurz „im inneren Kreis“. Dass Frau Clinton lediglich das kleinere Übel gewesen wäre, ist ein sinnloses Gedankenspiel. Alles im Konjunktiv ist im wahren Leben nutzlos. Wie der kurz nach der Präsidentenkür von Trump Messias gleich der SPD erscheinende Herr Schulz mittlerweile auch weiß.

Wobei ich mich im Laufe des Jahres selbst intensiv mit „was wäre wenn“ beschäftigt habe. Wobei das eher ein „weiter denken“ von vermeintlichen Fakten und Notwendigkeiten war. Beispielsweise der Frage, wie das funktionieren soll, wenn alle mit Batterie-Autos fahren.

Einen ersten Einschnitt konnte ich am Ende der CeBIT sehen. Als „Mitveranstalter“ war der stark abnehmende Trend spürbar, der jetzt mit Total­aufgabe des ursprünglichen Fokus „Fachbesuchermesse“ gestoppt werden soll. Dass dieses Modell den Zenit überschritten hat, haben im Nachgang die miserablen (wirt­schaft­lichen) Erfolgs­quoten der Messe­gespräche gezeigt. Reine „Volks­belus­tigungs­messen“ sind allerdings für viele typische CeBIT-Aussteller ziemlich uninteressant. Denn dort Ausstellen ist kein Selbst­zweck zum Bauch­pinseln – das soll – genauer: muss – Umsatz bringen. Denn allein aus­gefüll­te Gesprächs­bögen sind erst mal nur ein Haufen beschrie­benes Papier mit der Halb­werts­zeit eines Super­markt­prospekts. Wenn sich nur eine kleine Zahl dieses Haufens als „Notiz mit echtem Wert“ – sprich: Geschäfts­an­bahnung – herausstellt, wirkt Markt­wirt­schaft. Nutzen muss die Kosten überwiegen. Zumindest decken. Wenn selbst das scheitert… .

Anfang April hatte ich bereits eine Ahnung über anstehende Ver­än­derungen und Kurz­ssicht­ig­keiten. So wie es sich Mitte Mai bei der SPD ausgeschulzt hatte, hat es sich bei mir „ausgecaped“. Eine Thematisierung habe ich mir damals gespart, denn es war im Ergebnis das, was ich wollte. Lediglich der Zeitpunkt war fremd­gesteuert. Was aus wirt­schaft­licher Sicht und der daraus erwachsenden „bezahlten Freizeit“ erheb­lich besser als die eigene Planung war. Es relativierte sogar bereits getroffene Entscheidungen.

Die wieder­gewonnene Freiheit war Ende Juni in doppeltem Sinne ein Segen, weil ich zu Hause war, als der Regen kam. Eine kurz aufkeimende Hoffnung, dass es vorbei sei wurde für mehrere Wochen zu einer latenten Bedrohung. Das Wetter hatte noch weitere Folgen.Dem Regen folgte der Wind und der riss zuerst eine Kirsche um, bei deren Anpflanzung ich noch als Kind beiwohnte. Xavier legte knapp zwei Monate später eine Fichte mit „Reich­weite zu mir“ auf das Nach­bar­grund­stück und zeigte mal wieder die Fra­gili­tät unseres „Gemein­wesens“.

Ab September stellte ich mich dann der Tatsache, dass ich zwar alleine kann, gemeinsam aber besser finde. Da mir das thematisch viele Jahre schlicht egal war, hat mich der Arbeitsmarkt 2017 ein wenig schockiert. Ob sich mein Körper gegen so viel Mist gewährt hat oder es – wie sich im Nachgang gezeigt hat – nur an ungeeigneten Brillen lag, lässt sich schwer sagen. Womöglich mache ich mir auch Sorgen die auf die Augen schlagen, weil augen­schein­lich für mich Selbst­verständ­liches zur Norm erhoben werden muss, damit das, was früher ein Ergebnis guter Erziehung war, über Industrie-Normen bei denen präsent wird, denen diese Zuwendung fehlte. Die Zahl der Betroffenen wächst offenbar rapide.

Das Jahr endet mit einem großen persönlichen Verlust. Das macht aus „alles Gute fürs neue Jahr“ Worthülsen. Denn „alles Gute“ sollte immer und jederzeit passieren. Mal stehen wir uns selbst, mal andere im Weg. Oder es passieren Dinge, die sich weder vorhersehen noch planen lassen. Daher wünsche ich uns allen für das neue Jahr ein bisschen mehr Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit auf und für Mitmenschen. Ich bin sicher, dass das dann für alle Gutes bringt.