Dumm gelaufen

Auffallend viel Pech auf einmal für die Sachsen-Justiz. Da wird ein mutmaßlicher Attentäter auf dem Silbertablett geliefert und man kann ihn nicht am Leben halten.

Der „Terrorist“1 ist tot. Schon beim Einfangen haben sich die Zuständigen nur eingeschränkt kompetent gezeigt. Jetzt hing der Selbstmordattentäter in seiner Zelle. Das mit dem Selbstmord hat demnach geklappt, er war — zu unserem Glück — allerdings allein. Genau Letzteres wirft bei so einer Vorgeschichte Fragen auf.

Einen kurzen Gedanken, der mir nach seiner „Festnahme“ durch Landsmänner durch den Kopf schoss, hat er befeuert. Vor seinem Ausstieg beschuldigte er seine „Fänger“ als Mitwisser. Was in beide Richtungen ein Bild ergibt.

  • Wenn von der „Zelle“ der Gesuchte abgeliefert wird, nimmt der Fahndungsdruck für die anderen ab. Dass der geplante „Märtyrer“ plappert, stand wahrscheinlich nicht auf dem Plan. Dumm gelaufen.
  • Der in seinen perfiden Plänen (und ganz allgemein) Gestörte bringt mit solchen Äußerungen eine ordentliche Portion Unsicherheit in die Freude. Darüber, dass Flüchtlinge den Staat mehr geschützt haben könnten, als es AFD und Pegida mit ihren Parolen je taten und tun werden. Dumm gelaufen.

Dass er wahrscheinlich kein Einzeltäter ist, sondern aus einem Netzwerk heraus gearbeitet hat, wird die Polizei sicher nicht verraten. Außer Hysterie brächte das nichts. Weil der Gefasste sich aufgrund von Unaufmerksamkeit vom Acker machen konnte, lässt die Sachsen-Justiz wiederholt schlecht aussehen. Nach dem Sachsensumpf sowie anderen echten und unechten „Skandalen“2 kehrt bei den sächsischen Behörden keine Ruhe ein.

Es würde mich nicht wundern, wenn so mancher in den zuständigen Stellen nach der Todesmeldung mit einem „Gott sei Dank!“ tief durchgeatmet hat. Ein toter mutmaßlich verhinderter Massenmörder macht deutlich weniger Stress als ein redseliger. Also einer der offen legen könnte, dass ein vermeintlich gut vorbereiteter Zugriff eventuell mit einer soliden Portion Dilettantismus ausgeführt wurde. Oder dass viel mehr bekannt ist, als uns (Bürgern) bekannt ist, aber keiner Lust auf Handeln hat. Oder das genaue Gegenteil: es wird so getan, als hätten wir ein Rudel Superagenten am Start, in Wahrheit wissen „die“ aber nicht viel mehr als wir. Das wäre dann richtig dumm gelaufen.


  1. Ab wann ist man eigentlich ein Terrorist? Macht bereits der Gedanke oder das Wort zum Täter? Oder „weil man Böses könnte“?
    Dann müsste es auch für Politiker eng werden, wenn z.B. Steuermillionen sehr egoistisch über bestimmte Bundesländer konzentriert werden.
    Oder Schützenvereine, die „bis unter die Zähne bewaffnet“ am Stammtisch gemeinschaftlich unschönes Gedankengut absondern. ↩︎

  2. Die Suche bei Google wirft einiges an Wahrem aber gleichermaßen Fragwürdigem aus. Der Umstand, dass „im extremen Rand“ so viele Justiz-Kommentare aus Sachsen kommen, lässt indirekt einen Schluss zu. Bei mir entsteht zumindest der Eindruck, es gäbe dort eine in unterschiedliche Richtungen gedeihliche, juristisch schlecht bis gar nicht beherrschte, gegen Werte des Grundgesetzes gerichtete Szene. ↩︎