Dieselprämie

Mit der „Dieselprämie“ soll der Umstieg von alten Stinkern zu Neuwagen versüßt werden. Hat da am Ende wirklich der Kunde den Vorteil?

Womöglich habe ich mich etwas zu früh von meinem Diesel getrennt. Denn aktuell werben die Hersteller mit teilweise absurd hohen Prämien, wenn ich mein altes, funktionsfähiges Fahrzeug gegen ein neues „umtausche“. Wobei die Prämie in keinem Fall für einen klassischen Umtausch ausreicht.

So rechnet Stiftung Warentest vor, dass mit der Prämie ein E-Golf „fast zu einem Drittel“ finanziert sei. Die Prämie betrüge mit allen aktuellen Rabatten und Boni 11.760 Euro. Heißt im Umkehrschluss, das Auto kostet immer noch 23.520 €. Für ein Auto, mit dem ich für den Besuch meiner Eltern mindestens eine Übernachtung in einem Hotel mit Ladestation einplanen muss (gibt´s sowas überhaupt schon?), weil die Strecke an einem Tag mit Ladezeiten unmöglich gefahren werden kann.

Mein neuer Mazda hat mich nach Abzug des alten Diesel und ein paar Boni des Autohauses rund 20% weniger gekostet. Damit dem kann ich sogar einen Anhänger ziehen, der mit 1.000 kg Material beladen ist.

Selbstverständlich kann ich solche Autos weiterhin bei diversen Herstellern kaufen und mit den Rabatten bei dem ein oder anderen meinen Peis unterbieten (wenn es nur darum geht…). Ich frage mich jedoch, ob die von VW eröffnete Rabattschlacht womöglich speziell den Schummlern den größten Nutzen bringt.

Einerseits kaufen sie die Autos vom Markt weg, auf deren Grundlage Klagen auf Rücknahme zum Neupreis laufen, weil sie wegen eingebauter Schummelelektronik genau genommen keine Fahrerlaubnis hatten. Andererseits sorgen sie mit den Prämien dafür, dass die Halde kleiner wird, auf die möglicherweise seit ein paar Monaten produziert wird, weil sich bisherige, jetzt verärgerte Kunden umorientieren. Doch ab einem gewissen Punkt ist jeder käuflich, haben doch alle gemacht, ist so schlimm dann doch nicht und wenn´s so billig ist, darf´s wieder die Lieblingsmarke sein.

In beiden Fällen geht es demnach weniger um das Wohl des Kunden. Der bleibt erhalten, lässt sein Geld bei der Hausmarke und sorgt damit für das Wohl des Unternehmens.

Ich habe mir das – mangels aktuellem Bedarf – nicht genauer angesehen. Gefühlt werben vorzugsweise Fahrzeughersteller mit diesen Prämien, die im Dunstkreis des „Diesel-Skandals“ auffällig geworden sind. Bei Mazda gäbe es diese Prämie mittlerweile ebenfalls – aggressive Werbund dafür gibt es keine, eventuell deshalb, weil sie übersichtlicher ausfällt.

Da Renault ebenfalls geschummelt hat, war für mich klar, dass ich dort keinen Neuwagen kaufe. Bei den anderen Schummlern wollte ich ebenfalls nicht kaufen, womit alle deutschen Hersteller raus waren1. Das hat es übersichtlicher gemacht.

Letztendlich wollte ich mit meinem Kauf niemanden Stützen, der jahrelang geschummelt hat und würde mich auch jetzt nicht mit einer „Prämie“ kaufen lassen.


  1. Opel hat zwar ordentlich gearbeitet, gehört jetzt allerdings zu Renault – womit sie raus waren. Genauso wie Nissan. Außerdem haben mir die Modelle dort nicht gefallen. . ↩︎