Die Vertreiber

Uns geht es richtig gut. Wir beschweren uns über die mit weniger Glück. Obwohl wir maßgeblich deren Elend verschulden.

Wir sichern Arbeitsplätze mit Tod und Verderben. Denn wir verdienen sehr viel Geld mit von uns hergestellten und verkauften Waffen. Letztes Jahr wurde das Geschäft gegen das Leben gut entwickelt. Es wurde nahezu doppelt so viel Waffenexport als im Jahr zuvor genehmigt. Neben dem genehmigungspflichtigen Export floriert der Waffenhandel mit Ländern, die ohne Genehmigungsverfahren beliefert werden dürfen.

Offiziell beliefern wir natürlich niemanden, der damit das macht, wofür es gemacht ist: andere bedrohen oder umbringen. Nach dieser Lesart gehen unsere Exporte demnach nur an Sammler und Liebhaber deutscher Metallverarbeitungskunst. Wenn die Politiker entscheiden, dass wir doch offiziell „für Verteidigungszwecke“ Waffen in Spannungsgebiete liefern, ist das kein High-Tech.

Das ist eher preiswerte Endverwertung von Sachen, die sonst keiner will. Nur so lässt sich erklären, dass gefundene Waffen — wer hätte es gedacht! — doch in den Schwarzmarkthandel gelangen. Da wird hornaltes Kriegsgerät der Bundeswehr verklappt und die politisch Beteiligten wollen dafür noch als Wohltäter gefeiert werden. Wenn es letztendlich anders läuft, „wie vereinbart“, sind natürlich nicht wir schuld. Kurzsichtigkeit ist ein Gebrechen, mit dem sich die fehlende Wahrnehmung der Realität gut entschuldigen lässt.

Für die dort lebenden Menschen ist egal, ob es ein G3 oder High-Tech ist, mit dem ihr Leben bedroht und die Heimat zur Hölle auf Erden wird. Da würde jeder von uns, die wir uns augenscheinlich zunehmend durch Fliehende gestört fühlen, ebenso weg wollen. Wenn wir könn(t)en. Mehr noch: wir würden uns wünschen, dass uns jemand Zuflucht gewährt. Wobei es eine bittere Ironie ist, dass ausgerechnet wir — als Teil der Unheils-Spirale — als gelobtes Land wahrgenommen werden.

Ebenso bitter ist der Fakt, dass es sich für uns alles in allem weiterhin „rechnet“. Stellt man die Einnahmen aus den Exporten den Kosten der Flüchtlinge gegenüber, bleibt ein sattes Plus übrig. Allerdings hat diese Betrachtung einen Fehler. Denn die Kohle wird von einigen Rüstungskonzernen verdient, während die Ausgaben von den Steuerzahlern geleistet werden müssen.

Da sind zwar einige darunter, die sich mit dem Waffenbau ihre Brötchen erarbeiten. Von den anderen gehen einige — ebenfalls Kurzssichtige — auf die Straße und möchten mit ihren Parolen am liebsten das erreichen, was wir schon mit unseren Waffenschmieden in deren Heimat gut hinbekommen haben: Menschen vertreiben.

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