Die Schlauen klauen

Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Geordnete-Rückkehr-Gesetz. Migrationspaket. Jetzt wird alles gut. Muss ja.

Nikolaus müsste draußen bleiben: kann nix außer Kram verschenken und ist vom Nordpol. Das Trommelfeuer der Rechten zeigt Wirkung. Mittlerweile sind auch Parteien der Mitte – zumindest gemäß Selbstdarstellung – davon überzeugt, dass alles Übel von den Ausländern kommt. Etwas weniger übel sind gut ausgebildete Ausländer. Die bleiben zwar Ausländer, müssen also misstrauisch beäugt werden, dürfen aber rein, weil wir selbst unfähig sind, unseren Fachkräftemangel aus eigener Kraft zu beheben.

Ausbilden dürfen die anderen, wir klauen das Ergebnis weg.

Dabei müssten gerade wir doch aus den letzten Dekaden gelernt haben, wohin es führt, wen ganze Landstriche ihrer fähigen Leute beraubt werden. Jetzt sollen Ärzte und andere Spezialisten mit Prämien in die Gebiete gelockt werden, aus denen sie eine jahrzehntelang verfehlte Strukturpolitik weg gelockt hat. Was zu einer verstärkten Landflucht führt. Wozu wird es also führen, wenn man anderen – vorzugsweise sowieso schon armen – Ländern die Intelligenz wegklaut?

Dafür gibt es dann die „geordnete Rückkehr“. Wobei die Ordnung auf unserer Seite des Verfahrens im Fokus steht. Was das für „Land und Leute“ bedeutet, in die wir Menschen zurück kehren, bleibt dabei unausgesprochen. Ebenso wie der Fakt, dass wir damit keine Probleme lösen, sondern nur weitere neue schaffen.

Spätestens bei Begriffen wie „Mitwirkungshaft“ erleuchtet Zynismus die Scheinheiligkeit. Mitwirkung durch Haft erzwingen, heißt „Erzwingungshaft“, ist in Deutschland gesetzlich geregelt und klingt genau so, wie es klingen soll: bedrohlich. „Mitwirkung“ suggeriert Freiwilligkeit, eine groteske Verniedlichung von angewandter Staatsgewalt.

Dass es die durchaus geben muss, will ich keineswegs in Abrede stellen. Doch macht sich die Politik lächerlich, wenn sie statt von Abschiebung oder Ausweisung von „geordneter Rückkehr“ spricht. Als ob wir die Leute sonst im Mittelmeer verklappen.

Pardon. Das war ein schlechtes Beispiel. Machen wir ja teilweise.

Wenn wir mit einem „die Schlauen dürfen rein“-Gesetz die Chancen auf Besserung in den Ländern mindern, in die wir die ergo „Dummen“ geordnet zurückgeben wollen, sollten wir keine allzu große Kooperationsbereitschaft der betroffenen Länder erwarten. Rosinen-Picker haben wenig Freunde. Mag sein, dass wir da einige geordnet los werden, doch werden wir dafür an anderer Stelle einen Preis bezahlen.

Wie hoch der ist und wo er fällig wird, lässt sich schwer sagen. Was ein Segen für die Politiker ist, die uns mit einer bizarren Ausweisungspolitik davon ablenken wollen, dass wir eigentlich ganz andere Probleme haben. Doch weil es ja letztendlich nur um Machterhalt geht, klauen die Schlauen die populistischen Themen vom rechten Tellerrand, damit niemand merkt, dass sie womöglich zu den Opfern eines Fachkräfteeinwanderungsgesetzes würden, wenn sie sich selbst dem Verfahren stellen müssten.

Das Bild stammt von Pixabay. Hierzu noch eine Anmerkung: Sollte sich im Rahmen der „Mitwirkungshaft“ herausstellen, dass der Nikolaus aus dem Grönländischen Teil der Arktis kommt, gilt für ihn als Däne natürlich die Freizügigkeit der EU. Allerdings müsste man ihn dafür erst mal kriegen – offenbar ein generelles Problem mit diesen Ausländern.