Die Reste der Tafelrunde

Frau Merkel kritisiert Linderer eines Zustands, den sie maßgeblich verantworten muss: Hunger in Deutschland.

Wieviel Ignoranz ist nötig Leute zu kritisieren, die das von mir verzapfte Elend lindern?

Frau Merkel ist in meinen Augen ziemlich unverschämt, wenn sie Herrn Brühl von der Essener Tafel dafür anprangert, weil er als Auswahl­kriterium „Deutsche zuerst“ praktiziert. Ob das richtig oder falsch ist, spielt gar keine Rolle. Was alle Kritiker übersehen: Es ist in Deutsch­land absolut üblich, dass ein Schenker sich die Beschenkten selbst auswählen darf. Macht die Politik doch genauso: den Großfirmen und hervor­ragend Situierten wirft sie das in den Hals, was der übrigen Bevölkerung fehlt. Weshalb immer mehr davon bei Herrn Brühl in der Schlange stehen.

Wenn Aldi, Lidl & Co. frei entscheiden dürfen, ob sie Waren an die Tafel oder in den Müll­container geben, darf eine Tafel ebenso frei entscheiden, wer von ihr erhält, was in der Wohl­stands­gesell­schaft offiziell keinen Wert mehr hat, aufgrund über­schrit­tenem oder ansteh­endem Halt­bar­keits­datum un­ver­käuf­lich ist. Jedes Selek­tions­kri­ter­ium ist schlecht, wenn Bedürf­tigen etwas ver­wei­gert werden muss, weil es organi­sato­risch keinen Ausweg gibt. Die Wahl der Ethnie mag ungeschickt wirken, ist allerdings ver­gleichs­weise einfach umsetzbar. Im Gegen­satz zu vielen „politischen Lösungen“ ist es vor allem eins: praxis­tauglich.

Fakt ist: bei den Tafeln reicht es nicht für alle vom Staat Vergessenen.

In einem der reichsten Länder der Erde müssen Menschen mit leeren Händen nach Hause gehen, weil der Sozial­staat versagt und private Initiativen das nur teil­weise kompen­sieren können. Soweit ich das mit­bekom­men habe, hat sich kein Politiker dazu mal geäußert. Die Entscheidungen der reden­schwin­gen­den „Spitzen­politiker“ sind doch der Grund für die Tafeln, die das Elend wenig­stens etwas mildern, Betrof­fenen einen Rest Würde zurück geben, weil sie statt durch Müll­eimer zu wühlen an der Tafel-Schlange anstehen können.

Auch das ist ein großer Schritt, weil es die Bedürftigkeit sichtbar macht, die viele aus Scham lieber verbergen würden. Wobei sich die Falschen schämen, denn die Schuld daran hat die Politik.

Der Skandal ist deshalb keineswegs der Mut zur Entscheidung bei der Essener Tafel. Vielmehr die Tatsache, dass es in Deutschland überhaupt Tafeln geben muss. Darauf sind Frau Merkel und die übrigen Besserwisser eine Antwort oder gar Lösung schuldig geblieben. Deutschland hat ein Armutsproblem, was die Politik einfach ignoriert und statt bei sich selbst zu suchen die Leute kritisiert, die in ihrer Freizeit, mit großem Engage­ment diese politische Fehl­entwick­lung so gut es eben geht kompensieren wollen.

Sie dafür anzugreifen, dass sie an Grenzen stoßen die Entscheidungen erzwingen, ist ungehörig.