Die große süße Maus

Frau Behrends von der Berliner CDU macht ihrer Partei gerade zu schaffen. Noch ´ne Baustelle.

Bei Herrn Brüderle hat sich eine Stern-Reporterin vor ein paar Jahren in ihrer Einschätzung anzügliche Anmerkungen anhören dürfen. Das führte zum #aufschrei bei Twitter. Der hat sich — jedenfalls in meiner Wahrnehmung — mittlerweile leise verabschiedet. Er ist zum Sammelbecken von allem verkommen, was irgendwie nicht in Ordnung ist. Und Dumpfbacken, die dort ihre wirren Tiraden abladen.

Frau Behrends kommt mit offenem Visier daher. Sie versteckt sich nicht hinter Hastag und der Anonymität des Netzes. Sie schreibt namentlich einen offenen Brief. Zwar lesbar für „an alle da draußen“, aber dennoch zielgerichtet an die, von denen sie mehr erwartet.

Was sie sicher nicht erwartet hat: als „Nestbeschmutzerin“ wird jetzt Mäusejagd auf sie veranstaltet. Weil ja eine graue Maus einzig und allein aus im Nebel liegenden taktischen Gründen sowas raushaut. Oder beleidigt ist, weil sie nicht landen konnte?

Denn Frau Behrends beschwert sich über die belastende Wirkung von Gerüchten. Alle neuen „Sprüche“ sind ebenso unbewiesen wie ein „Fickst du die?“ Insbesondere, wenn sich der angeblich Adressierte — zur Wahrung des eigenen politischen Überlebens — nicht erinnern kann. Was die Frage aufwirft, wer hier womöglich ebenfalls mit Gerüchten arbeitet. Zumindest wird das von der Vorsitzenden der „Frauen Union Mitte“ so dargestellt, dass Frau Behrends mit ihren „mehrfachen Intrigen“ aufgeflogen sei.

Was hat Frau Behrends erwartet? Dass man ihr um den Hals fällt und sich drüber freut, dass endlich mal jemand das Schweigen durchbricht ? Sie ist jetzt persona non grata. Egal wie gut sie ihren Job für die Bürger — wofür sie eigentlich gewählt wurde — macht. Egal wie viel Zustimmung ihr Parteikolleg(inn)en — insgeheim — entgegen bringen. Die werden schön die Klappe halten. Hat vorher funktioniert, wird „danach“ weiter funktionieren.

Man muss halt wissen, was man will. In der Politik gibt es da eine eiserne Regel: Piss´ nicht in den Futternapf, wenn du nach oben willst. Wer da weiter oben unterwegs ist, hat sich nicht hochgelächelt. Der stellt sich auf alles, was nach oben hilft. Das ist nicht nett, das ist nicht kollegial. Das ist politischer Nahkampf.

So wichtig und richtig solche Debatten sind und insbesondere Politiker eine erhöhte Sensibilität haben sollten: wohin führt das? Ist eine „große süße Maus“ wirklich sexistisch? Sicher. Einer Mutter mit Kind ist das nicht unbedingt angemessen, wenn das im von Behrends beschriebenen Umfeld erfolgte. Je nach Kontext und Tonfall kann das aber durchaus als — ungelenkes — Kompliment gemeint sein. Wenn die Gleichheitsdebatte dazu führt, dass Komplimente (oder schlechte Versuche davon) unangemessen sein können, wird das Klima zwischen den Geschlechtern noch angespannter.

Die „Maus“ sollte eine angehende Abgeordnete für meinen Geschmack wegstecken können. Das ist banal und einer weiteren Betrachtung nicht wert. Angedichtete Affären sind sicherlich schwieriger. Allerdings könnte man das anders lösen, wenn das politische Überleben eine Rolle spielen soll. Ich bin ziemlich sicher: in der Sache wird sich nichts ändern. Frau Behrends hat bei der nächsten Wahl — vorausgesetzt sie ist überhaupt noch in der CDU — einen aussichtslosen Listenplatz und morgen treiben sie eine andere Sau durchs Dorf.