Die ärmere Hälfte

Oxfam sagt, dass 62 Menschen so viel Geld haben, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Was heißt das eigentlich?

Das klingt schon ziemlich unfair. So wenige sollen so viel haben. Allerdings stolpere ich über die ärmere Hälfte. Ich habe mir die Frage gestellt, was mit Hälfte gemeint ist. Dabei kann es nur um das gehen, was jemand besitzt. Alle auf eine Perlenschnur gereiht, wird die in der Mitte geteilt. Links die Ärmeren, rechts die Reicheren.

Exemplarisch kann dafür eine Liste von 1 - 100 angelegt werden. von 1 - 50 sind die Ärmeren, von 51 - 100 die Reicheren. Zählt man die Ärmeren zusammen, sind das 1275, die Reichen kommen auf 3775. Die haben demnach ca. dreimal so viel. Unter Ihnen gibt es jetzt 62 Leute, die zusammen so viel haben (sollen), wie die ärmere Hälfte. Also rund ein Viertel des Weltvermögens. Immer noch ziemlich üppig. Aber irgendwie schon nicht mehr so viel.

Wenn man jetzt noch wüsste, was da an Vermögen gezählt wird, also beispielsweise eine Fabrik, die vielen anderen Menschen Arbeit gibt (gerechte Bezahlung womöglich nicht, aber das ist hier nicht Thema). Womit das relativ würde, die ist das nur auf dem Papier wert. Denn darüber kann der Besitzer nur bedingt frei verfügen. Das Geld hat er nur, wenn er jemanden findet, der es ihm bezahlt.

Nunja. Ich weiß es nicht. Ich habe nur Schwierigkeiten damit, wenn Ungerechtigkeit — die es zweifellos gibt — mit reißerischen Überschriften einen Generalverdacht schürt. „Die Reichen“ sind alle fiese Schweine, „die Flüchtlinge“ alle Vergewaltiger. Alles ganz einfach. Das schafft ein prima Klima für einen verständnisvollen Umgang miteinander und dem Interesse an Lösungen für alle.